Nationalpark-Pionier Helmut Salek ist verstorben - ein Nachruf

Nationalpark Thayatal im Frühlingskleid, Umlaufberg, Flussmäander, Headerbild für Aktuelle Nachrichten.

1941 - 2024

"Die Kröten sind unsere Klienten!" Diesen Ausspruch von Ihm kann man als seine persönliche Motivation für seine unermüdliche Arbeit für den Natur- und Artenschutz bezeichnen. Ein Mann, ohne den es den Nationalpark Thayatal nicht geben würde, ist verstorben.

Er wurde am 28. August 1941 in Wien geboren. Von Beruf war er Versicherungsangestellter beim Wiener Verein. Sein Privatleben war ihm wichtig und er erzählte daher kaum etwas Persönliches von sich. Das möchte ich auch jetzt respektieren.

1971 kam er erstmals ins Thayatal und war von der Natur sofort beeindruckt. Daher erwarb er ein Grundstück unterhalb der Burg in Hardegg und errichtete darauf ein kleines Blockhaus für die Wochenenden. Wenn es seine Zeit zuließ, verbrachte er sie mit Wanderungen im Thayatal.

1984 traf er in Hardegg auf mich, als ich mit einer Unterschriftenliste der Stadtgemeinde Hardegg gegen die geplante Staustufe "Byci skala" an der Thaya unterhalb von Hardegg unterwegs war. Er unterschrieb sofort und bat mich ihm die Information mit den restlichen leeren Listen zu überlassen. Er wolle mehr tun als nur zu unterschreiben. Das bewog ihn wenige Monate später auch dazu an der Besetzung der Hainburger Au teilzunehmen.

Zwei Wochen später kam er mit 3.000 Unterschriften zurück und hatte auch schon Ideen, was man noch dagegen unternehmen könnte. So kam es zur Gründung der "Bürgerinitiative zur Erhaltung des Thayatals" in der sich viele Entscheidungsträger der Stadtgemeinde organisierten und Helmut und mich zu deren Sprecher wählten. Mit kräftiger Unterstützung der Bevölkerung und der Stadtgemeinde Hardegg mit dem damaligen Bürgermeister Norbert Kellner konnte die Bürgerinitiative zuerst ein Naturschutzgebiet initiieren und in weiterer Folge einen Baustopp erreichen.
Mit seiner geschulten Redegewandtheit und seiner als Reserveoffizier erworbenen taktischen Vorgehensweise in der Planung war er die treibende Kraft in der Initiative.

Schon vor 1989 nahmen wir Kontakt mit der tschechoslowakischen Seite auf und fanden Unterstützer. Nach 1990 ging es in Tschechien rasch in Richtung Nationalpark der 1991 im Narodni Park Podyji Wirklichkeit wurde.
Für Helmut und unsere Bürgerinitiative war klar, dass auch auf österreichischer Seite nun nur ein Nationalpark Sinn macht. Und 1999 war es so weit, der Nationalpark Thayatal wurde mit 1.1. 2000 Wirklichkeit.

Im Laufe seiner Bemühungen für den Naturschutz im Thayatal war er auch bei der NÖ Berg- und Naturwacht als beeidete Wache aktiv und brachte sich auch im Vorstand des NÖ Naturschutzbundes mit seinem Wissen ein.
Nach 2000 widmete er sich intensiv der Haltung und Zucht von Reptilien, speziell von Schlangen.

Einmal wurde er noch mit der Bürgerinitiative aktiv als im Zuge der Windkraftinitiative der EVN auch im Gemeindegebiet von Hardegg Windräder geplant waren. In unmittelbarer Nähe des Nationalparks Thayatal mussten sie unbedingt verhindert werden. Er unterstützte auch mit seinem Fachwissen viele Initiativen gegen Windräder im Waldviertel. Es ist auch ihm zu verdanken, dass diese nicht gebaut wurden.

Im Rahmen seines Engagements in der Bürgerinitiative zur Erhaltung des Thayatals erhielt er folgende Auszeichnungen:


1990 Österreichischer Naturschutzpreis des Naturschutzbundes
1990 Förderpreis "The Conservations Award "für Österreich der Ford Motor Company
1990 Förderpreis "The European Conservations Award" als beste Naturschutzinitiative Europas gemeinsam mit den tschechischen Partnern
1997 Josef Schöffel Sonderpreis
2016 "Die gute Tat für Podyji" eine Ehrung der Bürgerinitiative durch den tschechischen Nationalpark

In den letzten Jahren zog er sich alters- und krankheitsbedingt zurück und reduzierte auch seinen Bestand an Reptilien.

Am 18. März 2024 verstarb er in Wien.

Franz Kraus, Hardegg im Juni 2024
03.06.2024

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