Waldmanagement

Wald am Weg zur Wildnis

Fichten und Douglasien sind keine Baumarten, die natürlicherweise im Thayatal vorkommen. Das relativ trockene Klima ist nichts für sie. Dennoch wurden sie vor der Gründung des Nationalparks an leichter zugänglichen Stellen gezielt angepflanzt und forstwirtschaftlich genutzt.
Würden solche Forste einfach sich selbst überlassen, müsste man viele Jahrzehnte warten oder auf die Mithilfe von Sturm, Feuer, Borkenkäfer und Co. hoffen, um Dynamik in dieses monotone System zu bringen. Damit die Wildnis rascher zurückkommt, hilft der Mensch dem Wald auf die Sprünge.

Im Thayatal hat man das im Verlauf der letzten Jahre mit gezielten Renaturierungsmaßnahmen gemacht. Dafür wurden die Fichten sukzessive entfernt und Raum geschaffen, damit wieder ganz von selbst jene Baum- und Pflanzenarten aufkommen, die hier natürlicherweise und ohne Einfluss des Menschen ihr angestammtes Plätzchen haben. An Hauptbaumarbeiten finden sich verschiedene Eichen, Hain- und Rotbuchen, in manchen Tallagen auch Ahorn und Linde. An Nadelbäumen kommen vereinzelt Rotföhren, Tannen, Eiben und Wacholder vor.

Natürlich gewachsene Wälder sind nicht nur schöner anzuschauen als "militärisch" gepflanzte Forste, sie bieten auch eine Reihe von Vorteilen. Sie sind stabiler gegenüber klimatischen Extremen, Krankheiten und Massenvermehrungen von Schadinsekten. Mit ihrer vielfältigen Kraut- und Strauchschicht und dem größeren Totholzanteil bieten sie zudem deutlich mehr Nahrung und Lebensraum für eine breite Palette an Pflanzen, Pilzen und Tieren. Praktischerweise verringern sich außerdem die Wildschäden an jungen Bäumen. Das sind gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe!

Heute sind die meisten Renaturierungsmaßnahmen im Nationalpark Thayatal bereits abgeschlossen und in so manchen umgewandelten Waldabschnitten würde niemand mehr auf die Idee kommen, dass hier vor gar nicht einmal so langer Zeit dichte, dunkle Fichtenforste dominerten.