Mitarbeiter:innen-Tag im Nationalpark Hohe Tauern

Nationalpark Thayatal im Frühlingskleid, Umlaufberg, Flussmäander, Headerbild für Aktuelle Nachrichten.

 

Mitarbeiter:innen-Tag im Nationalpark

Hohe Tauern

 

Ein Bericht von Claudia Waitzbauer


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Österreichs Nationalparks, 120 Nationalpark Ranger und Rangerinnen, Vernetzung und Austausch - das ist Nationalparks Austria. Bergspitzen, Gletscher und Almen – einmal Bergluft für uns Flachländler. Steinadler, Bartgeier, Steinbock, Gämse und Murmeltier – die beeindruckenden „Big Five“ hautnah erleben. Ende September waren wir im Rahmen des Nationalparks Austria Mitarbeiter:innen Tages zu Gast im Osttiroler Teil des Nationalparks Hohe Tauern.

Foto: Hannah Assil

 

 

 

 

 

 
 
Die abendliche Anreise nach St. Jakob im Defereggental bietet schon einen Vorgeschmack auf Kommendes - auch der Stopp in Lienz bei typischen Tiroler Köstlichkeiten wie etwa Schlupfkrapfen. Am nächsten Morgen geht es dann bereits zu den Exkursionen – vieles steht zur Wahl: der größte Zirbenwald der Ostalpen, eine E-Bike Tour zum Klammloch, eine Wildtiersafari am Fuße des Großglockners, die Umbalfälle, und und und…

 

 

 

Ich habe mich für eine Wanderung zum Innergschlöß entschiedenEs wird als schönster Talschluss der Ostalpen beworben. Und tatsächlich - der Himmel wölbt sich weiß-blau über uns, eine Bilderbuchlandschaft aus sanft geschwungen Wiesen mit Kühen, links und rechts Berghänge, im Hintergrund hoch aufragende Bergspitzen. Die Landschaft mutet so ganz anders an, als unsere zu Hause. Ich denke an meine Kindheit, an die vielen schon längst vergessenen Urlaube in Osttirol, beginne mich zu entspannen und auf das Andersartige (wieder) einzulassen. Sogar die Luft kommt mir besonders klar und frisch vor, ich sauge sie bewusst ein.

 

 
 
 

Schon bald ergeben sich Gespräche mit den anderen Exkursionsteilnehmern – es bewährt sich wieder einmal, im Gehen redet es sich leichter. Man unterhält sich über Besonderheiten „seines“ Nationalparks, Gemeinsamkeiten in den Nationalparkverwaltungen, aber auch unterschiedliche Ansichten.

Unser Ranger Emanuel, erkennbar an seinem markanten Kinnbart, ist ein wahrer Kenner seines Gebietes. Seit 27 Jahren arbeitet er bereits hier. Schön, einmal anderen Rangern bei der Arbeit zusehen zu können. Man spürt seine Leidenschaft für die Natur. Sein Spezialgebiet sind die Gletscher. Er zeigt uns Bartgeier-Horste und erklärt uns, dass man seinen Blick nach oben richten muss, wenn die Murmeltiere nur einmal pfeifen. Und tatsächlich – dort zieht ein Steinadler majestätisch seine Kreise.

 


Wir wandern am Gschlößbach, der sich durch das Tal windet, entlang. Ich lerne, dass die türkise Färbung des Wassers auf die sogenannte Gletschermilch zurückzuführen ist. Bei den Scheuerbewegungen eines Gletschers entstehen winzig kleine Gesteinspartikel, die mit dem abschmelzenden Eis in den Bach gelangen, wo sie im Wasser schweben. Sie lassen es milchig-türkis aussehen. Über dem Wasser schweben Hunderte von geschlüpften Steinfliegen und Eintagsfliegen – sie glitzern wie kleine Diamanten in der Sonne. Ich fühle mich wie in einer Zauberlandschaft und muss an meine Tochter denken, die jetzt jeden Moment erwarten würde, dass ein Einhorn um die Ecke spaziert. Vor uns thront  der mächtige Eisberg des Großvenedigers mit dem immer näher rückenden imposanten Schlatenkees, wie man die Gletscher in Osttirol nennt, über das Tal.

 

 

 
 
 

 

 

Unser Ziel ist das Venedigerhaus. Mit Blick auf den Gletscher stärken wir uns bei Kaffee und Nationalparktorte aus Buchweizenmehl und Rahmcreme, gewürzt mit Bergthymian und Preiselbeeren. 

 

 

 

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Am Rückweg schauen wir bei Franz Oberschneider, einem Holzschnitzer und Krippenbauer in einer der traditionellen Almhütten vorbei. Grimmig blicken mich seine Köpfe an – sie sind für den Klaubauf, den traditionellen Krampuslauf in Matrei.

 

 

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Den herrlichen Tag beschließen wir mit einem köstlichen Buffet im Gemeindehaus von St. Jakob. Ich genieße es, einmal privat und nicht nur dienstlich mit den Kolleginnen und Kollegen plaudern zu können, oder endlich einmal Mitarbeiter:innen aus den anderen Nationalparks, die man lediglich aus dem e-mail Verkehr oder von Telefonaten kennt, einmal von Angesicht zu Angesicht zu erleben. Man hat das Gefühl, eine große Familie zu sein. Überhaupt, je weiter der Abend bei Musik und Tanz fortschreitet.

 

 

 

 

Der nächste Vormittag ist der Weiterbildung gewidmet – Franz Essl stimmt uns mit seinem Vortrag zur Aufgabe der Nationalparks im weltweiten Programm des Klimaschutzes sehr nachdenklich, Fazit: Biodiversitätsverlust und Klimawandel sind nicht getrennt voneinander zu betrachten. Christian Körner bringt für mich neue Gesichtspunkte im Zusammenhang mit dem Rückgang der Gletscherflächen und der Verschiebung der Baumgrenze durch seinen Bericht über sein Langzeitmonitoring.

                         
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Eine kleine Gruppe von uns beschließt, angeregt von den vielen Eindrücken, nicht gleich auf direktem Weg nach Hause zu düsen, sondern die Rückreise über die Glockner Hochalpenstraße anzutreten. 

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Bei einem Ausflug in einen anderen Nationalpark gehört es natürlich auch dazu, die Besucherinfrastruktur zu inspizieren – aus Neugierde, Wissensdurst und um sich neue Ideen zu holen. Also noch ein Besuch in Heiligenblut – wo exakt vor 50 Jahren die Vereinbarung zur Gründung des ersten Österreichischen Nationalparks, dem Nationalpark Hohe Tauern, unterzeichnet wurde - mit dem Haus der Steinböcke.

 

 

Danach ein Muss – die Pasterze! Ich krame in meinen Erinnerungen, wie ich als 10jährige am Fuße der Gletscherbahn versuchte, Schneebälle zu formen. Erschreckend, wie weit der Gletscher nun zurückgewichen ist – ich schätze eine gute Stunde Wegzeit bis dorthin. Wir können uns kaum von den Murmeltieren losreißen, die putzig die letzten Grasbüschel verzehren, bevor sie sich in den Winterschlaf begeben. Aber dann ist es Zeit, die siebenstündige Heimreise anzutreten – mit einem letzten Bergpanorama grüßen uns die Alpen! Erschöpft kommen wir nach 24 Uhr zu Hause, in unserem Nationalpark, an. Schön war´s! Bis zum nächsten Mal in zwei Jahren in einem anderen Nationalpark!

           

 

 

 

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