Welt-Otter-Tag-2024

Nationalpark Thayatal im Frühlingskleid, Umlaufberg, Flussmäander, Headerbild für Aktuelle Nachrichten.

Text Andreas Kranz

Heute, am Weltottertag, begeben wir uns auf eine Reise in die fesselnde Welt der Fischotter!


Sie gehören zur Familie der Marder, ihre engsten Verwandten sind Iltisse, Nerze und Wiesel. Was Otter auszeichnet, sind ihre unglaublichen Anpassungen an das Leben im Wasser. Ihr dichtes Fell, ein Wunderwerk der Natur, hält sie selbst in eiskaltem Wasser warm. Ihre Schwimmhäute und ihr stromlinienförmiger Körper ermöglichen ein höchst agiles Schwimmen. Europäischer und Amerikanischer Nerz haben zwar auch, aber deutlich kleinere Schwimmhäute, und ihr Fell ist nicht annähernd so dicht und wasserabweisend wie jenes der Otter.

Von den verschiedenen Otterarten hat sich der Seeotter, der im Nordpazifik beheimatet ist, am besten an das Leben im Wasser angepasst. Seeotter werden im Meer geboren und verbringen ihr ganzes Leben dort. Im Gegensatz dazu sind alle anderen Otter semiaquatisch und benötigen Lebensräume an Land und im Wasser.
Der Fischotter, der in Österreich wieder weit verbreitet ist, lebt hierzulande in Flüssen, Bächen, Teichen und Seen, ist aber auch in Europa an den Meeresküsten zu finden, wo er sich fast ausschließlich von Meeresfischen und Krebstieren ernährt. Die einzige Voraussetzung ist, dass er sein Fell nach einem Ausflug ins Meer gründlich mit Süßwasser waschen kann, um das Salz loszuwerden und das Fell wasserdicht zu halten. Auf Inseln und Küstenabschnitten ohne Süßwasser, wie in der Ägäis, gibt es daher keine Otter; auf Korfu, auf dem Peloponnes oder an der türkischen Küste Kleinasiens hingegen schon.

Am Atlantik sind Otter vielerorts tagaktiv, weil ihre Beute tagsüber im Seetang schläft, was es dem Otter erleichtert, sie zu fangen. Wer Otter in freier Wildbahn beobachten will, dem wird eine Reise an die Westküste Schottlands oder die Shetlandinseln empfohlen. Otter haben eine reiche Kulturgeschichte, insbesondere auf den Shetlandinseln. Auf diesen Inseln, die vor 10.000 Jahren mit dem Ende der Eiszeit langsam aus dem Meer auftauchten, wurden die Otter wahrscheinlich von den Wikingern eingeführt, die sie auch zum Fischen abgerichtet hatten. Diese reiche Kulturgeschichte der Otter, die in vielen indigenen Gemeinschaften als Symbol für Weisheit und Anpassungsfähigkeit gelten, sollten wir schätzen und bewahren.

Weltweit gibt es 13 Otterarten, zumindest war das bis 2023 der Fall: Genetische Analysen haben kürzlich ergeben, dass sich hinter dem Südamerikanischen Otter zwei Arten verbergen. Ihre Verbreitungsgebiete werden durch die Anden getrennt. Dann wären es 14 Arten.

Vor nicht allzu langer Zeit gab es in Europa noch zwei Fischotterarten. Der sardische Riesenotter (Megalenhydris barbaricina) ist wahrscheinlich am Ende der Eiszeit ausgestorben, also vielleicht erst vor 12.000 Jahren, ein Wimpernschlag" in der Evolution der Tierarten. Er war größer als die heute lebenden Otterarten und noch mehr auf das Leben im Wasser spezialisiert.

Fischotter sind nicht nur faszinierende Lebewesen, sondern auch wichtige Akteure in ihren Ökosystemen. Sie sind seit Tausenden von Jahren Teil eines eingespielten Teams aus Räuber und Beute. Forellen, die noch nie einem Otter begegnet sind, befinden sich in einer evolutionären Einbahnstraße. Aber das ist noch nicht alles. Otter dienen auch als wichtige Bioindikatoren. Als fischfressende Säugetiere reichern sie hochproblematische Schadstoffe in ihrem Gewebe schneller an als der Mensch. Die Kontamination von Fischottern mit Umweltgiften ist ein Warnzeichen für die Gefährdung der menschlichen Gesundheit. Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, dass wir ihre Lebensräume erhalten und ihr Überleben sichern.

Und wer ist der natürliche Feind des Fischotters? Wir sagen gerne, dass er an der Spitze der Nahrungskette steht und dass die Prädation durch andere Arten keine Rolle spielt. Nur der Wettbewerb zwischen den Arten, das Reviersystem und die Verfügbarkeit von Nahrung begrenzen die Zahl der Otter. Allerdings ist der Fischotter nicht völlig unangefochten. In Gebieten mit guten Wolfsbeständen trauen sich Fischotter nicht weit abseits des schützenden Wassers übers Land zu ziehen. Und dann ist da noch die jahrtausendealte Beziehung zu uns Menschen. Weil sie über Jahrhunderte wegen ihres Fells und Fleisches oder aus Konkurrenzgründen gejagt wurden, sind Fischotter immer noch sehr schwer in Fallen zu fangen. Gleichzeitig sind Fischotter aber auch lernfähig. In Städten und Naturschutzgebieten wie dem Nationalpark Thayatal, wo sie in der Regel nicht gejagt werden, sind sie heute leichter zu beobachten als noch vor einigen Jahrzehnten.
29.05.2024

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