Nationalpark Thayatal

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Neophyten


Natur | Naturraummanagement
 

Neophyten im Inter-Nationalpark Thayatal - Podyjí



Es ist bekannt, dass Flusstäler für viele Pflanzenarten bevorzugte Wanderkorridore darstellen. Förderlich für das Auftreten von Neophyten im Internationalpark Thayatal-Podyjí ist sicherlich, dass die Lebensräume des Thayatales anthropogen beeinflusst sind. Das Gebiet wurde lange Zeit land- und forstwirtschaftlich genutzt. Die Wiesennutzung war früher viel umfangreicher, manche Trockenstandorte wurden beweidet. Viele dieser Nutzungen wurden schon vor langer Zeit eingestellt, allerdings sind die Langzeitfolgen immer noch vorhanden. Gravierend sind auch die Störungen der Ökologie der Thaya und deren Ufersäume, die auf den Schwellbetrieb des Kraftwerks Vranov zurückzuführen sind. Auch der Bau von Wegen und Forststraßen fördert die Etablierung von Neophyten.

In seinem Verbreitungsatlas der Gefäßpflanzen des Nationalparks Thayatal gibt GRULICH (1997) einen Überblick über die Anzahl der Arten und deren Verbreitung im Inter-Nationalpark Thayatal-Podyjí und dessen Umgebung. Das Untersuchungsgebiet ist mit 227 km² bedeutend größer als die Gesamtfläche der beiden Nationalparks (77 km²). Von den 1288 im Untersuchungsgebiet vorkommenden Pflanzenarten sind 116 Neophyten. Nur wenige davon sind problematisch.

Aufgrund ihrer Ökologie, ihrer Verbreitung und ihrer Ausbreitungstendenz werden folgende Arten als im Nationalpark naturschutzfachlich problematische Pflanzen beurteilt: Robinia pseudacacia, Impatiens glandulifera, Fallopia japonica, Heracleum mantegazzianum. Diese sind im Inter-Nationalpark Thayatal-Podyjí als invasive Arten zu beurteilen, deren Populationen sich zudem ständig vergrößern. Da die Ausbreitung der Pflanzen zu einer Umwandlung der naturnahen Vegetation in einem unerwünschten Ausmaß führt, werden gezielte Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt.
 

Geringelte Robinien
Geringelte Robinien
Geringelte Robinien

Robinie (Robinia pseudacacia)



Verbreitung:

Im Nationalpark Thayatal kommt die Robinie vereinzelt vor. Gehäuft tritt sie nur unterhalb des Max-Plateaus und am Burgberg bei Hardegg auf. Diese trockenen Hänge unterlagen bis in die 50-er Jahre der Beweidung. Im Bereich des Max-Plateaus wurde die Robinie bereits vor dem 2. Weltkrieg gepflanzt, die ältesten Bäume sind über 80 Jahre alt. Der Grund für die Pflanzung war die damit verbundene Befestigung des steilen Hanges und die hohe Attraktivität für die Bienen. Die beiden Hardegger Bestände haben sich vor allem durch die Einstellung der Weidenutzung massiv ausgedehnt. Ein größerer Bestand existiert auch im Bereich der Steinernen Wand.

Management:

Erstmals wurden im Nationalpark Thayatal im Jahr 2001 im Bereich des Max-Plateaus und bei der Steinernen Wand Robinien geringelt. Diese Arbeit wurde kurz nach der Blütezeit durchgeführt, da die Energiereserven des Baumes zu dieser Zeit am geringsten sind. Die Bäume reagieren meistens innerhalb weniger Wochen mit dem Abwurf der Blätter. Ungefähr zwei Monate nach dem Ringeln begannen die bodennahen Knospen auszutreiben. Auch mehrere Meter vom Stamm entfernte Wurzelschösslinge begannen auszutreiben. Die Triebe wurden abgehackt - eine Maßnahme die seitdem jedes Jahr wiederholt wird. Teilpopulation sind bereits erloschen.
 

Drüsiges Springkraut
Drüsiges Springkraut
Drüsiges Springkraut

Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera)



Verbreitung:

Das Indische Springkraut besiedelt im Inter-Nationalpark Thayatal-Podyjí ausschließlich die Ufer der Thaya. Die Nebenbäche der Thaya sind im Nationalparkgebiet nicht betroffen, am Oberlauf der Fugnitz kommt die Pflanze jedoch in manchen Bereichen häufig vor. Das Indische Springkraut kommt erst seit wenigen Jahren im Nationalpark vor: Die Art wurde erstmals 1995 an den Thayaufern entdeckt. Seither breitet sie sich rasant aus. Zusagende Standorte bieten besonders breitere Uferzonen mit geringer oder fehlender Gehölzbestockung, die zum Teil früher als Wiesen genutzt wurden. Auf den schmalen und überschatteten Uferabschnitten konnten sich nur wenige Individuen etablieren. Ebenso tritt die Pflanze auch in Weiden-Schwarzerlen-Auwäldern auf, allerdings nur in geringer Deckung. Der größte Bestand konnte sich in der Ufer-Hochstaudenflur und den angrenzenden Wiesenbrachen am Langen Grund entwickeln. Bis 2001 hatte sich hier über eine Länge von 1.300 Metern ein fast geschlossener Bestand mit unterschiedlicher Breite (2 m bis 20 m) ausgebildet. Auf der tschechischen Seite des Flusses tritt die Pflanze aufgrund des langjährigen Managements nur mehr selten auf. Flussaufwärts der gemeinsamen Staatsgrenze ist es de facto gelungen, die Pflanze zur Gänze zu reduzieren.

Management:

Im tschechischen Národní park Podyjí wird die Pflanze seit ihrem Auftreten bekämpft. Die ausgedehnten Bestände auf der österreichischen Seite haben jedoch zu einer ständigen Wiederansiedelung in Tschechien geführt. Die beiden Verwaltungen beschlossen daher ein koordiniertes Vorgehen. Nach ersten Maßnahmen im Jahr 2000 wurden 2001 im gesamten Verlauf der Thaya Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt. Einzelne Pflanzen und kleinere Bestände wurden zwischen Juni und September händisch ausgerissen, größere Bestände wurden gemäht. Gute Ergebnisse wurden mit dem Mähen der Bestände erzielt. Beim Ausreißen werden kleinere und nicht blühende Pflanzen leicht übersehen. Da einige Abschnitte des Flusstales zu Fuß nur sehr schwer zu erreichen sind, werden bereichsweise die Bekämpfungsmaßnahmen vom NP Podyjí mit dem Boot durchgeführt. Das bisherige Management kann als großer Erfolg gesehen werden. Bis auf einige kleinere Bestände ist die Pflanze weitgehend aus dem Nationalpark verschwunden.
 

Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica)



Verbreitung:

Im Nationalpark Thayatal kommt der Staudenknöterich vor allem im Bereich der Ortschaften Hardegg und Merkersdorf vor. Nur ein Standort befand sich abseits von menschlichen Siedlungen direkt im Nationalpark an dem Ufer der Thaya. Die Bestände sind relativ klein, die Größe schwankt zwischen 4 m² und 100 m². Bei den ortsnahen Beständen handelt es sich durchwegs um Straßenböschungen, die eine ruderale Vegetation aufweisen.

Management:

Durch das Mähen der Pflanzen konnte die Bestände wesentlich reduziert werden. Ein Bestand an der Fugnitz in Hardegg ist außerdem durch die Wirkung des Hochwassers nahezu erloschen. Im tschechischen Národní park Podyjí wurde in einigen Bereichen auch ein Herbizid eingesetzt.
 

Russischer Bärenklau in Blüte
Russischer Bärenklau in Blüte
Russischer Bärenklau in Blüte

Russischer Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)



Verbreitung und Management:

Im Jahr 2006 traten erstmals Einzelpflanzen des Russischen Bärenklaus im Nationalpark auf. Einige Pflanzen befanden sich neben der Thaya, andere im Bereich einer Wildfütterung. Die Pflanzen wurden vor der Samenbildung ausgegraben und aus dem Nationalpark entfernt.