Thayatal: Wo Bäume alt werden können

Bäume keime, wachsten und sterben ab - im Nationalpark Thayatal ist Platz für den gesamten natürlichen Waldzyklus!
Hanns Kirchmeir, E.C.O. Institut für Ökologie

Im Jahr 2024 wurden im Nationalpark Thayatal Wälder auf ihre Naturnähe untersucht. Dafür wurde geprüft, wie stark die Waldbestände noch durch frühere Nutzung geprägt sind oder sich schon wieder in Richtung Naturwald entwickeln.
Die Ergebnisse sind sehr erfreulich: 83 % der untersuchten Flächen können bereits als naturnah eingestuft werden- ein Wert, der deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt (22%) liegt. Rund 5 % der Flächen entsprechen sogar fast völlig natürlichen Wäldern. Nur wenige Flächen (13 %) zeigen noch deutliche Spuren früherer Eingriffe und werden als "mäßig verändert" eingestuft. Stärker veränderte oder künstlich geprägte Wälder wurden überhaupt nicht gefunden.

Ein wichtiger Indikator ist das Totholz. In ungenutzten Wäldern sammelt sich abgestorbenes Holz an und bietet Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Im Thayatal beträgt die durchschnittliche Menge heute 66 m³ pro Hektar - das ist mehr als doppelt so viel wie im österreichweiten Durchschnitt. Damit erreichen die Wälder des Nationalparks einen für Naturwälder typischen Bereich. Nur ein sehr kleiner Teil des Totholzes stammt noch aus forstlicher Nutzung (Stöcke).

Zwischen den verschiedenen Waldtypen (Buchen-, Hainbuchen-, Eichen-, Auwälder sowie Ahorn-Linden-Mischwälder) bestehen nur geringe Unterschiede in der Naturnähe. Auffällig ist jedoch, dass Wälder in schwer zugänglichen Lagen besonders hohe Werte erreichen.

Insgesamt zeigt der Vergleich mit einer österreichweiten Studie: Die Wälder im Nationalpark Thayatal sind heute deutlich naturnäher als der Durchschnitt im Land. Das zeigt, dass sich die Entscheidung, die Flächen aus der Nutzung zu nehmen, in den letzten 25 Jahren sehr positiv auf die natürliche Waldentwicklung ausgewirkt hat.
05.09.2025

Nationalpark Thayatal Blog