Stumme Zeugen der Vergangenheit

Nationalpark Ranger Dieter Preiss über die Bunkeranlagen im tschechischen Nationalpark

Wer auf der Thayabrücke in Hardegg auf die tschechische Seite in den Nationalpark "Podyji" wandert, findet kurz nach der Brücke drei baulich gut erhaltene Bunkeranlagen. Der oft verbreitete Glaube, diese stammen aus der Zeit des "Eisernen Vorhanges" ist geschichtlich nicht korrekt. Errichtet wurde die Verteidigungslinie in den Jahren 1935-1938 auf der tschechoslowakischen Seite unter dem damaligen Staatspräsidenten Edvard Benes (dem Namensgeber der "Benes-Dekrete"). In Zusammenhang mit der Machtergreifung Hitlers in Deutschland wurde mit dem Bau der Bunker begonnen, um die Staatsgrenze vor eventuellen Angriffen der deutschen Wehrmacht zu schützen. Geplant waren entlang der kompletten Staatsgrenze 16.000 Bunkeranlangen, realisiert wurden dann etwa 9.500. In Anlehnung an die französische "Maginot-Linie" wurde der Name "Benes-Linie" gebräuchlich, nebenbei waren auch französische Festungspioniere als Experten am Bau beteiligt.
Die Anlagen bestanden aus unterschiedlich großen Betonbunkern. Besonders bekannt sind die kleinen "Ropík"-Bunker, die mit Maschinengewehren bewaffnet waren. Daneben wurden größere, schwer befestigte Bunker gebaut, die teilweise unterirdisch miteinander verbunden waren. Sie verfügten über Schießscharten, Beobachtungsanlagen und Schutz gegen Giftgas. Einige Anlagen besaßen auch schwere Geschütze.
Durch das Münchner Abkommen im September 1938 und die kampflose Eingliederung der Sudeten-Gebiete verlor die Befestigungslinie jeglichen Nutzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Teile des Walls im Kalten Krieg als Grenzbefestigung gegen den Westen weitergenutzt.
20.08.2026

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