Fifty Shades of Green

Nationalparkmitarbeiterin Teresa Nunner über das Frühlingserwachen im Thayatal

Jeden Tag wird es ein bisschen grüner! Wer derzeit durch das Thayatal spaziert, erlebt ein wahres Naturschauspiel: Die Bäume treiben aus, der Waldboden leuchtet im frischen Moosgrün, und selbst das Wasser der Thaya schimmert smaragdgrün in der Frühlingssonne.

Schon im Herbst werden in den Blattachseln der alten Blätter die neuen Triebe angelegt. Umschlossen von schützenden Knospenschuppen überdauern sie den Winter - und warten auf den Startschuss des Frühlings. Nach mehreren warmen Tagen beginnt ein sichtbarer Wandel: Die Knospen schwellen an, werden größer - und öffnen sich schließlich. Bereits in diesem Moment ist die komplette Gestalt der neuen Blätter erkennbar. Jetzt beginnt das rasante Wachstum junger Triebe.

Besonders faszinierend ist das erste Grün: Es zeigt sich nicht einheitlich, sondern in einer Vielfalt von Nuancen. Junge Birken strahlen in zartem Hellgrün, die Hainbuchen in einem kräftigeren "Froschgrün", Eichenblätter starten in olivgrüner Färbung, und die Mehlbeere überrascht mit einem grau-grünem Ton. Es sind eben tatsächlich "50 Shades of Green", die den Wald in ein farbenfrohes Mosaik verwandeln. Perfekt ins Bild passen außerdem die weißen Farbtupfer der blühenden Schlehen und die blühenden Vogelkirschen, die aus dem Nationalparkwald hervorleuchten. Ein schönes, pastelliges Farbspektakel lässt sich hier bewundern.

Auffällig im Nationalpark Thayatal: Der Laubaustrieb verläuft nicht überall gleichzeitig. Während die Hainbuchenwälder im Osten und auf den Südhängen bereits in frischem Grün stehen, lassen sich die Buchenwälder im Westen und auf den Nordhängen noch etwas mehr Zeit. Der Frühling zieht im Thayatal von Ost nach West - und macht das Warten aufs Grün zu einem besonderen Erlebnis! Die Eichen und die Schwarzerlen lassen sich am längsten Zeit, sie sind die letzten, die ihre Knospen entfalten, sie schließen das Frühlingserwachen ab.
03.04.2025

Nationalpark Thayatal Blog