Europas letzte Urwälder

Eindrücke aus den Südkarpaten Rumäniens von Birgit Gruber

Knorrige, jahrhundertealte Wälder, große Schutzgebiete und ein europäisches Rangertreffen in einem wunderbar gastfreundlichen Land, all das erwartete mich im Oktober, als ich als Obfrau des österreichischen Rangervereins, der "Austrian Ranger Association", in die Südkarpaten nahe Brașov reiste.

Dort trafen 260 Rangerinnen und Ranger aus ganz Europa zusammen, um voneinander zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Strategien für besseren Naturschutz zu entwickeln. Meine Aufgabe war es, den Nationalpark Thayatal zu präsentieren. Seit über 15 Jahren arbeiten wir intensiv am Schutz der Wildkatze, einer scheuen Art, deren Erhalt naturnahe Wälder voraussetzt. In Rumänien konnte ich Einblicke in unsere Forschung zu Verbreitung, Lebensräumen und Besucherprojekten geben.

Vor Ort wurde mir jedoch klar, dass Mittelrumänien über ausgedehnte, ursprüngliche Wälder verfügt, wie sie in Europa kaum mehr existieren, ein Schatz von unschätzbarem Wert. Um ihn zu bewahren, verfolgt Rumänien die Vision eines riesigen Nationalparks mit rund 270.000 Hektar, etwa so groß wie Luxemburg. Damit wären vier Prozent des Landes besonders geschützt, noch immer wenig, aber ein wichtiger Beitrag für unsere Zukunft.

Diese Wälder sind mehr als Landschaft: Refugien für seltene Arten, Klimaregulatoren, Wasserspeicher und Orte echter Wildnis. Sie bieten zudem wertvolle Möglichkeiten für Forschung und neue Naturschutzansätze.

Die Treffen der europäischen Ranger finden alle drei Jahre statt, monatliche Online-Meetings halten die Zusammenarbeit lebendig. Europa muss im Naturschutz enger zusammenrücken. Gemeinsames Lernen, Verantwortung und Ziele sind entscheidend, wenn wir jene Natur bewahren wollen, die uns verbindet.
28.11.2025

Nationalpark Thayatal Blog