Auf Schritt und Tritt

Wer die Spuren heimischer Wildtiere kennt, dem eröffnet sich eine verborgene Welt.

Der meteorologische Winter ist wieder da, und wer jetzt trotzdem noch nach draußen geht, der trifft oft auf eine anscheinend leere und verstummte Natur. Das besonders im Frühjahr so lebhafte Vogelgezwitscher ist vielerorts dem dünnen Chor von Meisen und Amseln gewichen. Sie halten jetzt die Stellung. Das Rascheln der Mäuse am Waldboden ist verstummt, die Eichhörnchen machen sich auch rar, die Hirsche röhren nicht mehr. Und doch, das tierische Leben hat uns nicht verlassen. Es liegt uns gleichsam zu Füßen.

Hier im "Gatsch" einer alten Lacke, Hufe, gespalten wie die eines Schafes, aber hinter den "Hufen" paarweise zwei kleine runde Abdrücke. Da war ein Wildschwein unterwegs, denn diese zusätzlichen "Zehen"-Abdrücke sind typisch und kaum bei anderen Paarhufern zu sehen. Die Wiese auf der nächsten Lichtung bestätigt dann den Verdacht. Sie ist aufgewühlt und umgebrochen. Hier war eine ganz Rotte Wildschweine auf der Suche nach Engerlingen. Ein Fleckchen Schnee liegt noch auf der Wiese. Zwei Pfotenabdrücke nebeneinander, dahinter zwei hintereinander. Ein Feldhase, der beim Sprung die Vorderpfoten in einer Linie hält und danach mit den Hinterpfoten die Vorderpfoten überspringt. Daneben Pfotenabdrücke mit sichtbaren Krallen; ein Fuchs, der die Hasenspur aufgenommen hat, oder ein unvorsichtigerweise abgeleinter Hund? Der Geübte kann auch das erkennen, wenn er die Stellung der Ballen zueinander genau betrachtet.

Das Leben des Winters ist leiser, verlassen hat es uns nicht. Wir müssen nur den Spuren folgen.
02.11.2024

Nationalpark Thayatal Blog