Von heimlichen Beobachtern und ländlichen Landstreichern

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David Freudl über das heimliche Tun im Wald.

Die lauen Nächte und heißen Tage, die der Sommerbeginn mit sich bringt, verleiten mich dazu den Nationalparkwald in den frühen Morgenstunden aufzusuchen. Mit einer natürlichen Leichtigkeit sind alle meine Sinne damit beschäftigt die verschiedensten Eindrücke wahrzunehmen und zuzuordnen. Alles scheint perfekt zu harmonieren, die Lichtspiele zwischen der aufsteigenden Sonne und dem Morgentau, der Geruch des humusreichen Bodens unterstützt von der kühlen Luftbrise aus dem Flusstal, das Gefühl sich in den eingegangenen Wanderschuhen leichtfüßig durch den Wald zu bewegen und ständig vom Rauschen der Thaya begleitet zu werden.

Doch plötzlich wird die Idylle durch ein lautes Rascheln im Laub zerrissen. Das Flitzen eines Schattens lässt mich erahnen, dass ich mich nicht unbemerkt im Wald aufhalte. Wie viele Wildtiere mich wohl schon beobachtet haben? Eine in der Nähe installierte Fotofalle gibt mir Aufschluss darüber, welche Tiere in den letzten Stunden am selben Standort waren; ein Fuchs, zwei Dachse, einige Rehe und viele Wildschweine. Sogar ein Fischotter und eine Waldschnepfe haben sich unerwarteter Weise ablichten lassen, wobei ich ein Foto besonders interessant finde. Bei genauerem Hinsehen fällt mir ein stumpfer Schwanz und ocker-farbenes Fell einer getigerten Katze auf, die jedoch kilometerweit von der nächsten Siedlung entfernt in diese Fotofalle getappt ist. Könnte es nicht auch sein, dass ich genau an der selben Stelle stehe, wo nur wenige Stunden zuvor eine Wildkatze war? Rein optisch lässt sich dies nicht beurteilen, aber ein paar Haarproben könnten mir darüber Auskunft geben. Eine richtige Chance sie im Wald anzutreffen, hätte ich wahrscheinlich keine gehabt, aber dennoch weiß ich, wo ich sie sehen kann. Bei regelmäßigen Fütterungen im Nationalparkhaus und den Wildkatzen-Nachtwanderungen mit Nachtfütterung können die beiden Gehege-Wildkatzen Frieda und Carlo hautnah beobachtet werden. Ob die Katze auf der Fotofalle auch eine Wildkatze war, dass wird sich noch zeigen. Wir bleiben der Wildkatze jedenfalls auf der Spur!
02.07.2019

Nationalpark Thayatal Blog