Wer diesen Sommer aufmerksam durch den Nationalpark gewandert ist, hat bestimmt so einige Veränderungen der Natur wahrgenommen. Die Trockenheit der vergangenen Wochen und Monate hat ihre Spuren hinterlassen - nicht nur in Fernsehbeiträgen, Zeitungsartikeln und Co., sondern auch ganz real in der Natur. Wie haben Sie den Sommer im Nationalpark wahrgenommen?
Dürre Blätter, braune Wiesen und trockene Böden - die Natur des Nationalparks hat unter der Trockenheit gelitten. Etwa 32% weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel fiel auf Österreich herab, von den Auswirkungen blieb auch das Thayatal nicht verschont. Christian Übl, Direktor des Nationalparks, kennt das Gebiet rund um Hardegg seit seiner Kindheit. Er hat den heißen Sommer und seine Auswirkungen auf das Schutzgebiet genau beobachtet: "Die anhaltende Trockenheit der vergangenen Wochen und Monate ist auch im Nationalpark Thayatal deutlich sichtbar. Wo der Wald zu dieser Jahreszeit normalerweise noch sattgrün ist und sich erst langsam auf den Herbst vorbereitet, zeigte sich heuer vielerorts ein anderes Bild: Das Laub wirkte stellenweise bereits grau und trocken, manche Bäume trugen dürre Blätter und einzelne haben die langen Trockenperioden nicht überstanden."
Dabei zeigt sich kein einheitliches Bild, sondern eher ein fließender Übergang. Denn während manche Bäume äußerlich noch kaum beeinträchtigt wirken, sind bei anderen bereits deutliche Trockenschäden erkennbar. Besonders stark beanspruchte Bäume haben ihr Laub vorzeitig vertrocknen lassen oder sind teilweise ganz abgestorben.
"Gerade im Wald wird sichtbar, dass Trockenheit nicht überall gleich wirkt. Standort, Boden und Baumart spielen eine große Rolle - auf manchen Flächen kommen die Bäume noch vergleichsweise gut zurecht, während andere bereits extrem unter dem Wassermangel leiden", erklärt Nationalparkdirektor Christian Übl.
Wassermangel bedeutet für Bäume Stress: Bei anhaltender Trockenheit schließen sie ihre Spaltöffnungen, um möglichst wenig Wasser zu verlieren. Damit wird allerdings auch die Photosynthese eingeschränkt - hält dieser Zustand lange an, fehlen dem Baum zunehmend die Ressourcen, um Wachstum und Stoffwechsel aufrechtzuerhalten.
Braune Wiesen im Sommer
Besonders deutlich waren die Auswirkungen der Trockenheit heuer auch auf den Wiesen des Nationalparks zu sehen. Während der heißesten und trockensten Wochen waren manche Flächen bereits vollständig braun. Nach etwas feuchteren Bedingungen im September konnten sie sich wieder erholen und sind mittlerweile wieder grün, der fehlende Niederschlag hat den Jahresverlauf dennoch verändert.
Die Wiesen im Nationalpark werden üblicherweise zweimal jährlich gemäht. Nach der ersten Mahd entwickelt sich normalerweise ein zweiter Aufwuchs, bei dem zahlreiche Pflanzen erneut oder andere Arten später im Jahr zur Blüte kommen. In diesem Jahr blieb dieser Aufwuchs aufgrund der Trockenheit jedoch so gering, dass eine zweite Mahd im August nicht möglich war. Gleichzeitig blieb damit auch ein großer Teil der sonst vorhandenen Blüte aus.
Das betrifft nicht nur die Pflanzen selbst. Blütenreiche Wiesen sind über viele Wochen hinweg wichtige Nahrungsräume für zahlreiche Insekten. Fehlen Blüten und frisches Pflanzenmaterial, wird das Angebot an Nektar, Pollen und Nahrung entsprechend geringer. Gerade bei pflanzenfressenden Insekten wirkt sich starke Trockenheit außerdem unmittelbar auf Menge und Qualität der verfügbaren Nahrung aus. Auch für Heuschrecken war auf besonders ausgetrockneten Flächen kaum noch frische, grüne Vegetation vorhanden.
"Solche Jahre zeigen sehr deutlich, wie eng die Abläufe in der Natur miteinander verbunden sind. Wenn die Vegetation vertrocknet oder sich nicht entwickeln kann, betrifft das nicht nur die Mahd, sondern auch jene Tiere, die genau in dieser Zeit auf Blüten und frische Pflanzen angewiesen sind. Die Auswirkungen, die solche Ereignisse auf das feine ökologische Gleichgewicht haben, sind oft schwer und meist zu spät abzuschätzen", so Übl.
Auch Trockenrasen brauchen Wasser
Ähnlich war die Situation auf den Trockenrasen. Ihr Name verrät bereits, dass die dort vorkommenden Arten an warme und trockene Bedingungen angepasst sind - völlig ohne Wasser kommen aber auch diese Lebensräume nicht aus. Bleibt Niederschlag über längere Zeit aus, trocknet die Vegetation zunehmend ab und damit verändert sich auch das Nahrungsangebot für die dort lebenden Tiere.
Dabei gehören Trockenrasen zu den besonders artenreichen Lebensräumen des Nationalparks. Viele ihrer Pflanzen und Tiere sind an Bedingungen angepasst, bei denen andere Arten nicht überleben könnten. Trotzdem können aber auch für diese Spezialisten dauerhafte oder außergewöhnlich lange Trockenperioden eine starke Belastung darstellen.
Weniger Pilze im trockenen Wald
Ein weiteres Zeichen der fehlenden Feuchtigkeit zeigt sich derzeit im Wald: Pilze, die vor allem mit feuchter werdenden Herbsttagen wieder häufiger sichtbar werden, treten bisher deutlich weniger in Erscheinung.
Das eigentliche Pilzgeflecht, das Myzel, lebt meist verborgen im Boden oder im Holz. Für die Ausbildung der sichtbaren Fruchtkörper spielen Feuchtigkeit und Niederschlag allerdings eine wichtige Rolle. Bleibt es über längere Zeit trocken, können Fruchtkörper deutlich später oder in wesentlich geringerer Zahl erscheinen.
Kritische Situation am Kajabach
Besonders angespannt war die Situation in diesem Sommer am Kajabach. Der kleine Bach, der durch das Kajabachtal fließt und unter anderem Lebensraum des heimischen Edelkrebses ist, führte zeitweise nur noch sehr wenig Wasser. Ein vollständiges Austrocknen konnte nur knapp verhindert werden. Dabei kamen außerhalb des Nationalparkgebiets gelegene Teiche ins Spiel, aus denen gezielt Wasser abgegeben wurde, um den Abfluss im Kajabach zu stützen.
"Beim Kajabach wird deutlich, wie schnell Trockenheit von einem sichtbaren Phänomen zu einem echten Problem für einen Lebensraum werden kann. Dort ging es nicht mehr nur darum, dass wenig Wasser vorhanden war, sondern darum, ein vollständiges Austrocknen möglichst zu verhindern. Das hätte zu einem lebensbedrohlichen Phänomen für die dortige Edelkrebs-Population werden können", erklärt Übl.
Warten auf den Regen
Grundsätzlich gehört Trockenheit zu den natürlichen Schwankungen und viele Arten im Thayatal sind an zeitweise trockene Bedingungen angepasst. Die extrem heißen und trockenen Wochen des Sommers 2026 zeigen jedoch, wie weitreichend längere Phasen ohne ausreichenden Niederschlag wirken können: vom Kronendach des Waldes über Wiesen und Trockenrasen bis hin zu kleinen Fließgewässern.
Für manche Auswirkungen reicht bereits ein ergiebiger Regen, um die Situation zumindest kurzfristig zu entspannen. Andere werden noch länger sichtbar bleiben - etwa bei Bäumen, die durch den Wassermangel bereits nachhaltig geschädigt wurden. Christian Übl gibt außerdem zu bedenken: "Wir müssen uns bewusst sein, dass dieser Sommer wohl kein "Ausnahmesommer" war, sondern in Zeiten des Klimawandels vielleicht zum neuen "normal" werden wird. Wie die Natur mit dieser enormen Herausforderung umgehen wird, wird im Nationalpark genau beobachtet und beforscht."
29.09.2026
Dürre Blätter, braune Wiesen und trockene Böden - die Natur des Nationalparks hat unter der Trockenheit gelitten. Etwa 32% weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel fiel auf Österreich herab, von den Auswirkungen blieb auch das Thayatal nicht verschont. Christian Übl, Direktor des Nationalparks, kennt das Gebiet rund um Hardegg seit seiner Kindheit. Er hat den heißen Sommer und seine Auswirkungen auf das Schutzgebiet genau beobachtet: "Die anhaltende Trockenheit der vergangenen Wochen und Monate ist auch im Nationalpark Thayatal deutlich sichtbar. Wo der Wald zu dieser Jahreszeit normalerweise noch sattgrün ist und sich erst langsam auf den Herbst vorbereitet, zeigte sich heuer vielerorts ein anderes Bild: Das Laub wirkte stellenweise bereits grau und trocken, manche Bäume trugen dürre Blätter und einzelne haben die langen Trockenperioden nicht überstanden."
Dabei zeigt sich kein einheitliches Bild, sondern eher ein fließender Übergang. Denn während manche Bäume äußerlich noch kaum beeinträchtigt wirken, sind bei anderen bereits deutliche Trockenschäden erkennbar. Besonders stark beanspruchte Bäume haben ihr Laub vorzeitig vertrocknen lassen oder sind teilweise ganz abgestorben.
"Gerade im Wald wird sichtbar, dass Trockenheit nicht überall gleich wirkt. Standort, Boden und Baumart spielen eine große Rolle - auf manchen Flächen kommen die Bäume noch vergleichsweise gut zurecht, während andere bereits extrem unter dem Wassermangel leiden", erklärt Nationalparkdirektor Christian Übl.
Wassermangel bedeutet für Bäume Stress: Bei anhaltender Trockenheit schließen sie ihre Spaltöffnungen, um möglichst wenig Wasser zu verlieren. Damit wird allerdings auch die Photosynthese eingeschränkt - hält dieser Zustand lange an, fehlen dem Baum zunehmend die Ressourcen, um Wachstum und Stoffwechsel aufrechtzuerhalten.
Braune Wiesen im Sommer
Besonders deutlich waren die Auswirkungen der Trockenheit heuer auch auf den Wiesen des Nationalparks zu sehen. Während der heißesten und trockensten Wochen waren manche Flächen bereits vollständig braun. Nach etwas feuchteren Bedingungen im September konnten sie sich wieder erholen und sind mittlerweile wieder grün, der fehlende Niederschlag hat den Jahresverlauf dennoch verändert.
Die Wiesen im Nationalpark werden üblicherweise zweimal jährlich gemäht. Nach der ersten Mahd entwickelt sich normalerweise ein zweiter Aufwuchs, bei dem zahlreiche Pflanzen erneut oder andere Arten später im Jahr zur Blüte kommen. In diesem Jahr blieb dieser Aufwuchs aufgrund der Trockenheit jedoch so gering, dass eine zweite Mahd im August nicht möglich war. Gleichzeitig blieb damit auch ein großer Teil der sonst vorhandenen Blüte aus.
Das betrifft nicht nur die Pflanzen selbst. Blütenreiche Wiesen sind über viele Wochen hinweg wichtige Nahrungsräume für zahlreiche Insekten. Fehlen Blüten und frisches Pflanzenmaterial, wird das Angebot an Nektar, Pollen und Nahrung entsprechend geringer. Gerade bei pflanzenfressenden Insekten wirkt sich starke Trockenheit außerdem unmittelbar auf Menge und Qualität der verfügbaren Nahrung aus. Auch für Heuschrecken war auf besonders ausgetrockneten Flächen kaum noch frische, grüne Vegetation vorhanden.
"Solche Jahre zeigen sehr deutlich, wie eng die Abläufe in der Natur miteinander verbunden sind. Wenn die Vegetation vertrocknet oder sich nicht entwickeln kann, betrifft das nicht nur die Mahd, sondern auch jene Tiere, die genau in dieser Zeit auf Blüten und frische Pflanzen angewiesen sind. Die Auswirkungen, die solche Ereignisse auf das feine ökologische Gleichgewicht haben, sind oft schwer und meist zu spät abzuschätzen", so Übl.
Auch Trockenrasen brauchen Wasser
Ähnlich war die Situation auf den Trockenrasen. Ihr Name verrät bereits, dass die dort vorkommenden Arten an warme und trockene Bedingungen angepasst sind - völlig ohne Wasser kommen aber auch diese Lebensräume nicht aus. Bleibt Niederschlag über längere Zeit aus, trocknet die Vegetation zunehmend ab und damit verändert sich auch das Nahrungsangebot für die dort lebenden Tiere.
Dabei gehören Trockenrasen zu den besonders artenreichen Lebensräumen des Nationalparks. Viele ihrer Pflanzen und Tiere sind an Bedingungen angepasst, bei denen andere Arten nicht überleben könnten. Trotzdem können aber auch für diese Spezialisten dauerhafte oder außergewöhnlich lange Trockenperioden eine starke Belastung darstellen.
Weniger Pilze im trockenen Wald
Ein weiteres Zeichen der fehlenden Feuchtigkeit zeigt sich derzeit im Wald: Pilze, die vor allem mit feuchter werdenden Herbsttagen wieder häufiger sichtbar werden, treten bisher deutlich weniger in Erscheinung.
Das eigentliche Pilzgeflecht, das Myzel, lebt meist verborgen im Boden oder im Holz. Für die Ausbildung der sichtbaren Fruchtkörper spielen Feuchtigkeit und Niederschlag allerdings eine wichtige Rolle. Bleibt es über längere Zeit trocken, können Fruchtkörper deutlich später oder in wesentlich geringerer Zahl erscheinen.
Kritische Situation am Kajabach
Besonders angespannt war die Situation in diesem Sommer am Kajabach. Der kleine Bach, der durch das Kajabachtal fließt und unter anderem Lebensraum des heimischen Edelkrebses ist, führte zeitweise nur noch sehr wenig Wasser. Ein vollständiges Austrocknen konnte nur knapp verhindert werden. Dabei kamen außerhalb des Nationalparkgebiets gelegene Teiche ins Spiel, aus denen gezielt Wasser abgegeben wurde, um den Abfluss im Kajabach zu stützen.
"Beim Kajabach wird deutlich, wie schnell Trockenheit von einem sichtbaren Phänomen zu einem echten Problem für einen Lebensraum werden kann. Dort ging es nicht mehr nur darum, dass wenig Wasser vorhanden war, sondern darum, ein vollständiges Austrocknen möglichst zu verhindern. Das hätte zu einem lebensbedrohlichen Phänomen für die dortige Edelkrebs-Population werden können", erklärt Übl.
Warten auf den Regen
Grundsätzlich gehört Trockenheit zu den natürlichen Schwankungen und viele Arten im Thayatal sind an zeitweise trockene Bedingungen angepasst. Die extrem heißen und trockenen Wochen des Sommers 2026 zeigen jedoch, wie weitreichend längere Phasen ohne ausreichenden Niederschlag wirken können: vom Kronendach des Waldes über Wiesen und Trockenrasen bis hin zu kleinen Fließgewässern.
Für manche Auswirkungen reicht bereits ein ergiebiger Regen, um die Situation zumindest kurzfristig zu entspannen. Andere werden noch länger sichtbar bleiben - etwa bei Bäumen, die durch den Wassermangel bereits nachhaltig geschädigt wurden. Christian Übl gibt außerdem zu bedenken: "Wir müssen uns bewusst sein, dass dieser Sommer wohl kein "Ausnahmesommer" war, sondern in Zeiten des Klimawandels vielleicht zum neuen "normal" werden wird. Wie die Natur mit dieser enormen Herausforderung umgehen wird, wird im Nationalpark genau beobachtet und beforscht."
29.09.2026

