Alte "Kletter-Hasen"

Das Wildkatzengehege im NP Thayatal ist jetzt um ein gutes Stück Wald größer geworden.
Frieda und Carlo haben Grund zur Freude. Im vergangenen Winter wurde ihr Gehege im Thayatal Nationalparkzentrum um einige Facetten reicher.
Auf einer Fläche von 450 Quadratmetern residieren die beiden Wildkatzen - und gelegentlich auch ihr gemeinsamer Nachwuchs - von nun an in Österreichs größter Wildkatzenanlage. Mitintegriert ist seit der Vergrößerung ein Stück des angrenzenden Waldes.



Dieser neue Waldbereich bietet den Katzen viele zusätzliche Klettermöglichkeiten. "Sie wagen sich hoch hinaus und springen sogar in zehn Meter Höhe in den Ästen herum", weiß etwa Nationalpark-Mitarbeiter Christian Übl zu berichten.
Für ihre akrobatischen Einlagen in luftigen Höhen haben Wildkatzen aber auch ideale körperliche Voraussetzungen. Ihr langer und beweglicher Schwanz hilft dabei ihre Sprünge in der Balance zu halten. Wichtig ist zudem die biegsame Wirbelsäule, mit der es Katzen schaffen, einen Sturz - in den meisten Fällen - sicher zu stehen. Während sie fallen, drehen sich zunächst ihr Kopf, dann Vorder- und Hinterkörper reflexartig in die richtige Lage. Die Katze landet sicher auf vier Pfoten.
Um überhaupt nach oben zu gelangen, braucht es die scharfen Krallen. Solange nur Dösen oder Spazieren am Programm steht, bleiben sie jedoch in einer Hautfalte eingezogen. Das schützt sie vor Abnützung. Erst wenn es ans Klettern bzw. auch ans Beuteschlagen geht, fahren Katzen ihre Krallen aus.



In der freien Natur dient ihr geschicktes Klettervermögen allerdings weniger dem Zeitvertreib als vielmehr der Flucht vor Feinden. Zwar haben sie wegen ihrer scharfen Krallen und spitzen Raubtierzähne - abgesehen vom Menschen - nur wenige natürliche Feinde, aber wo Luchs und Wolf vorkommen, müssen sich Wildkatzen durchaus in Acht nehmen. Jungtiere müssen außerdem den Luftraum über sich im Auge behalten, denn sie passen in das Beutespektrum von Adlern und großen Eulen.



Nach oben geht es leicht, vor allem Jungkatzen übertreiben es mit ihrem Klettereifer zu Beginn gerne. Die Krux ist nämlich, dass die Krallen rückwärts gerichtet sind und beim Abstieg keinen Halt bieten. Für den Weg nach unten gilt deshalb: Entweder ein beherzter Sprung auf den Boden oder eine mühsame Rückwärtskletter-Aktion.
Frieda und Carlo sind alte "Kletter-Hasen". Wer sich von ihren Kletterkünsten überzeugen möchte, schaut am besten im Nationalparkzentrum selbst vorbei!
21.05.2015

Nationalpark Thayatal Blog