Nationalpark Thayatal

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2082 Hardegg
Österreich

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Schwarzstorch
 
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Gewässer, -ökologie


Natur | Naturraummanagement
 
Die Thaya - Der Fluss

Niederösterreichs nördliche Grenze ist über weite Strecken von der Thaya bestimmt. Zwar verläuft sie nur wenige Kilometer als echter Grenzfluss, dennoch prägte sie die Landschaft. Mehrmals in ihrem Lauf wechselt die Thaya die Seite. Grenzfluss im physisch-geografischen Sinn ist sie nur viermal: bei Hardegg im Nationalpark Thayatal, nahe Laa an der Thaya und dann wieder südöstlich von Břeclav, ehe sie beim Dreiländereck Tschechien-Österreich-Slowakei in der March aufgeht.

Hergeleitet wird der Name "Thaya" oder tschechisch "Dyje" aus dem Illyrischen, er bedeutet in etwa "Rauschen" oder "rauschender Fluss".
Blick vom Rabenfelsen
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Blick vom Rabenfelsen
 
Betrachtet man die Thaya aus der Satellitenperspektive, so könnte sie auch "die Gewundene" heißen. Besonders zwischen Raabs und Znaim windet sie sich einem verzweifelten Versuch gleich, aus dem Korsett des tief eingeschnittenen Bettes zu entkommen - eines Bettes, das entstanden war, als die Thaya vor rund fünf Millionen Jahren der Hebung der Böhmischen Masse, des Granitmassivs, mit aller Wasserkraft entgegenzuwirken versucht hatte. Klüften und Störungen der emporwachsenden Masse folgend, haben sich die alten Mäander tief in das Urgestein eingeschnitten.

Die schönste ihrer Windungen vollzieht die Thaya bei Merkersdorf, einer Katastralgemeinde der Stadt Hardegg, rund um den Umlaufberg im Nationalpark Thayatal. Hier kommt sich die Thaya nach fast vollendetem Kreis auf etwa 120 Meter nahe, den Durchbruch versperrt jedoch ein harter Felsriegel. Auf der Anhöhe des unmittelbar folgenden tschechischen Umlaufberges liegt Nový Hrádek. Von der Ruine aus ist die Thaya gleich dreimal zu sehen.
Umlaufberg
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Umlaufberg
 
Ein Kraftwerk verändert den Fluss

Die Errichtung des Kraftwerks Vranov hat die Charakteristik der Thaya stark verändert. (mehr Infos - siehe unter Gewässerökologie)

Seit Jahren bemühen sich die beiden Nationalparkverwaltungen vergeblich um eine Angleichung des Abflusses an den natürlichen Zustand, jedenfalls aber um eine Anhebung des Mindestabflusses.

Auch der Europarat hat in seinen Empfehlungen anlässlich der Vergabe des Europadiploms den derzeitigen Zustand kritisiert.
Hochwasser: Fugnitz 2006
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Hochwasser: Fugnitz 2006
 
Hochwasser

Nach starken Regenfällen können die Thaya und ihre Nebenflüsse zu reißenden Gewässern werden. In den letzten Jahren ist das gleich dreimal geschehen, im August 2002 und im März 2006 führte die Thaya Hochwasser, im Juni 2006 richtete ein Fugnitzhochwasser in Hardegg verheerende Schäden an.

Wie dramatisch die Situation war, zeigt ein Diagramm mit den Hochwasserabflüssen unterhalb des Staudammes von Vranov vom März 2006.

Die obere Grafik zeigt den Wasserstand in Zentimetern, die untere den Durchfluss in Kubikmeter pro Sekunde. Ab einem Durchfluss von über 230 m3/sek fließt das Wasser nicht mehr über die Turbinen sondern über die Wehrfelder der Dammkrone.

Die aktuellen Wasserstände der Thaya können beim Amt der NÖ Landesregierung (D)
Grafik: Vranov Hamry Dyje
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Grafik: Vranov Hamry Dyje
 
und bei Povodí Moravy (CZ) abgefragt werden:
 
Die Fugnitz und andere Nebengewässer

Der schönste und längste Zufluss zur Thaya im Nationalpark ist die Fugnitz, die gemeinsam mit der Thaya den Talkessel von Hardegg geformt hat. Ihr Einzugsgebiet reicht bis über Geras hinaus und misst etwa 140 km2. Der Kajabach, der bei Niederfladnitz entspringt, formte ein romantisches Tal, das Wanderer auf dem Thayatalweg erleben können.

Gerade die Nebengewässer der Thaya sind als Lebensraum von besonderer Bedeutung. Hier kommen Flusskrebse vor, hier lebt auch der Fischotter. Die Schotterkörper der Bäche sind für die Reproduktion der Thayafische von besonderer Bedeutung.
Fugnitz
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Fugnitz
 
Gewässerökologie

1933 wurde das Staukraftwerk in Vranov (Tschechien) fertig gestellt. Aufgrund des Schwellbetriebes dieses Kraftwerks sind die Hydrologie und Ökologie der Thaya massiv gestört. Zwei bis vier Mal am Tag wird ein Wasserschwall abgelassen, der Durchfluss steigt dabei auf 30 m³/sec bzw. 45 m³/sec. Zwischen den Schwallspitzen sinkt der Durchfluss auf 1 m³/sec, dabei fallen einige Uferbereiche trocken. Außerdem ist seit der Errichtung des Kraftwerks das Temperaturregime verändert. Das Ablassen von kaltem Tiefenwasser hat dazu geführt, dass die Fauna nicht mehr einer Barbenregion sondern einer Äschenregion entspricht. Weitere Auswirkungen sind das Eintiefen des Flusses, mangelnde Substratumlagerungen aufgrund der fehlenden Hochwässer und eine Veränderung der Korngrößenverteilung.
Kraftwerk Vranov
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Kraftwerk Vranov
 

Auswirkungen auf den Fischbestand



Das langfristige Ziel ist es, einen dem Gewässertyp entsprechenden Fischbestand zu etablieren, der sich unter den gegebenen Rahmenbedingungen (Schwellbetrieb, gleichförmige Abflussverhältnisse) reproduziert und nach Möglichkeit selbst erhält.

Da die Nationalparkverwaltung die Fischereirechte an der gesamten Thaya im Nationalpark und an der Fugnitz besitzt, lagen die ersten Bemühungen in der Schaffung einer nationalparkkonformen Fischerei. In drei von fünf Fischereirevieren wurde das Fischen eingestellt. In schwierigen Verhandlungen mit dem Národní park Podyjí und dem Mährischen Fischereiverband konnte eine erste Angleichung hinsichtlich Revierordnung und weiterer Rahmenbedingungen erzielt werden.
Forellenfischen in der Thaya
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Forellenfischen in der Thaya
 

Grundlagenarbeiten



Weitere Schritte waren Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerökologie. In einem grenzüberschreitenden INTERREG-Projekt, das vom Land Niederösterreich gemeinsam mit dem Lebensministerium und dem Nationalpark Thayatal getragen wird, wurde 2006 begonnen, wichtige Parameter zu erheben, die als Grundlage für künftige Maßnahmen dienen. Dies geschieht auch im Hinblick auf die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Schließlich soll die ökologische Situation der Thaya im Abschnitt des Nationalparks Thayatal verbessert und einem früheren Zustand angenähert werden. Im September 2006 und April 2007 erfolgten im Rahmen der Studie die Freilanderhebungen des Fischbestandes an den tschechisch-österreichischen Grenzstrecken der Thaya. Die Befischungen wurden entsprechend dem Methodenhandbuch des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft (BMLFUW) durchgeführt. In Abhängigkeit von der Art des Gewässers kamen mehrere Befischungsmethoden zum Einsatz. Die Ergebnisse sind auf der Projekt-Homepage zu finden. (Hinweis: Diese wird allerdings nicht mehr aktualisiert)

Fischer bei der Elektrobefischung zur Überprüfung der Fischpopulation
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Elektrobefischung zur Überprüfung der Fischpopulation
 
Zusätzlich wurde der Schlupferfolg von Bachforellen mittels Laichboxen, welche im Jänner 2007 in der Thaya eingegraben wurden, untersucht. Die Fischeier stammten von fünf verschiedenen Züchtern. Nach Ende der Entwicklungszeit wurden die Boxen wieder gehoben und die Entwicklungsrate ermittelt. Das Ergebnis gibt Grund zur Hoffnung: Trotz der starken Wasserstands¬schwankungen ist die Entwicklung von Fischlarven möglich. Allerdings gibt es große Unterschiede bei den Züchtern. Bei einem Züchter kam es zu Total-Ausfällen, bei zwei Züchtern überlebten weniger als ein Drittel. Bei zwei weiteren Züchtern gab es ein erfreuliches Ergebnis: fast 90 % der Eier entwickelten sich zur Fischlarve. Weitere Maßnahmen sollen helfen, einen dem Gewässertyp angepassten Fischbestand aufzubauen, der sich selbst reproduziert.

Beim Hochwasser 2002 und 2006 sammelte sich im Staubereich des Speichers in Znaim das abgeschwemmte Totholz aus dem Nationalparkgebiet. Durch den Umbau des Abflusses wurde das Problem der Verklausung weitgehend entschärft. Ergänzend erfolgte eine Kartierung des Totholzes im Uferbereich, den Bericht können Sie hier downloaden.

mehrere Personen beim Untersuchen der Laichboxen
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Laichboxen-Untersuchung