Der Schneck muss weg?

Nacktschnecken zu bestimmen, ist knifflig. Hier könnte es sich um die größte Nacktschnecke, den Schwarzen Schnegel, handeln. Es könnte aber auch ein Tigerschnegel sein. Oder eine ganz andere Nacktschnecke. Über die Färbung allein lässt sich die Art nicht eindeutig feststellen.
Die letzten Wochen haben mit Regen nicht gegeizt. Nicht alle sind darüber begeistert, aber die Schnecken blühen bei ihrem Lieblingswetter erst so richtig auf.
Vor allem die Nacktschneckenziehen heuer wieder viele Schleimspuren durchs Land, allen voran die bis zu zwölf Zentimeter lang werdende Spanische Wegschnecke. Dabei kommt sie ursprünglich gar nicht aus Spanien, sondern dürfte sich viel wahrscheinlicher vom Westen oder Südwesten Frankreichs über Mitteleuropa ausgebreitet haben. Auf jeden Fall hat sie seit den 1970er Jahren auch in Österreich unzählige Salatköpfe auf dem Gewissen.
Durch die Allgegenwart der "Spanierin" oder "Französin" wird aber oft vergessen, dass es natürlich auch bei uns Nacktschnecken gibt. Durch den Nationalpark Thayatal ziehen gleich drei heimische Nacktschnecken ihre unverwechselbaren Spuren, und zwar sind das der Schwarze Schnegel, die Wald-Wegschnecke und die Graue Wegschnecke.
Sie zu unterscheiden und von anderen Nacktschnecken abzugrenzen, ist mitunter eine knifflige Angelegenheit. Vor allem dann, wenn man sie anhand ihrer Färbung dingfest machen möchte. Beim Schwarzen Schnegel gleicht kein Tier innerhalb einer Population exakt dem anderen. Schwarze Grundfarbe mit einem dunkelgrauen Fleckenmuster kommt zwar oft vor, ist bei weitem aber nicht die einzige Farbvariante. Dafür überzeugt der Schneck mit seiner Größe und wird gut doppelt so lang wie die Spanische Wegschnecke. 20 Zentimeter, ja mitunter sogar 30 Zentimeter sollen möglich sein. Damit ist der Schwarze Schnegel die größte bisher bekannte Nacktschneckenart.



Wald- und Graue Wegschnecke erreichen dagegen gerade mal drei bis vier bzw. fünf Zentimeter Länge. Das hilft ein wenig beim Auseinanderhalten, denn die lungenatmenden Weichtiere finden sich allesamt in ähnlichen Lebensräumen, in möglichst naturbelassenen Wäldern. Vor allem Laubwälder behagen ihnen, der Schwarze Schnegel nimmt aber - solange es sich nicht um einen Wirtschaftswald handelt - auch mit reinen Nadelwäldern Vorlieb. Unter Steinen, loser Rinde, auf der Unterseite von Totholz, dort gehen sie bevorzugt auf "Beutezug", ernähren sich von Pilzen, Algenrasen und sich zersetzendem Pflanzenmaterial. Als Allesfresser vertilgen sie auch Aas wie tote Regenwürmer oder sogar tote Artgenossen.
Sie sind zwar langsam, dafür gründlich, das gilt für die heimischen Nacktschnecken genauso wie für die eingewanderte Spanische Wegschnecke. Alles, was an ihren Raspelzungen hängen bleibt, wird verspeist. So tragen Nacktschnecken etwa zur Humusbildung bei. Als Aasfresser sorgen sie auch dafür, dass sich Krankheiten nicht ungehindert verbreiten können.
Ob das den Gärtner milde stimmt, wenn er auf einen angeknusperten Salatkopf blickt? - Vielleicht freut es ihn ja, zu wissen, dass es eine ganze Reihe anderer Tiere gibt, verschiedene Vogel-, Reptilien- und sogar Säugetierarten, wie den Igel, die der Schleim nicht abschreckt und die gegen einen Schneckenimbiss nichts einzuwenden haben. Als Gärtner muss man eben auf Kooperationen bauen.
Ganz weg soll "der Schneck" aber auf keinen Fall, denn die kleinen Schleimkriecher sind ein wichtiger Teil im Zahnrädchen der Natur.
04.06.2014

Nationalpark Thayatal Blog