Nationalpark Thayatal

Nationalparkhaus
2082 Hardegg
Österreich

T +43 (0) 2949 / 7005 - 0
F +43 (0) 2949 / 7005 - 50

office@np-thayatal.at
www.np-thayatal.at


Menu
Fischotter
 
Instagram   Twitter   Google Plus   Facebook
Schriftgröße    A   A   A

Stadtgeschichte


Besucherinfo | Stadt Hardegg
 

Alte Stadtansicht
Alte Stadtansicht
Alte Stadtansicht
Im Thayatal an der Grenze zu Tschechien offenbart sich den Besuchern ein Blick in die Vergangenheit. Durch dichten Wald fährt man die steilen Serpentinen hinunter in eine Ortschaft, in der die Zeit still zu stehen scheint. Die Stadt Hardegg bietet ein ausgesprochen pittoreskes Bild. Harmonisch liegt sie in dem engen Talkessel der Fugnitz, überragt von einer stolzen Burg, die bereits auf mehr als Tausend Jahre Geschichte zurück blickt. Damals war Hardegg das Zentrum eines Herrschaftsgebietes im Norden Österreichs. Die Besitzer der Burg Hardegg spielten eine bedeutende politische Rolle im Land.

Heute ist Hardegg die kleinste Stadt in Österreich. Rund 80 Einwohner haben derzeit ihren Hauptwohnsitz in der Grenzstadt an der Thaya. Hardegg ist vermutlich die einzige Stadt in Österreich, die mehr Häuser als Einwohner hat.
 

Burg Hardegg im Nebel
Burg Hardegg im Nebel
Burg Hardegg im Nebel

Stadt seit 1290


Urkundlich wird Hardegg als Stadt erstmals 1290 erwähnt. Der Name leitet sich von dem althochdeutschen Wort "hard" = Wald, "-egg" = Fels, Stein ab. Im übertragenen Sinn bedeutet die Bezeichnung: "Festes Haus im Wald". Im Lauf der Zeit verlor Hardegg an Bedeutung. In direkter Nachbarschaft nahm die planmäßig angelegte Weinstadt Retz einen großen Aufschwung. Nach dem 30-jährigen Krieg war die Burg in einem schlechten Zustand und wurde nur noch von einem Vogt bewohnt. 1764 wütete ein Großfeuer in Hardegg. Die Bewohner durften für den Wiederaufbau Material aus der Burg holen.

Neben mehreren Handwerksberufen war in Hardegg vor allem die Tucherzeugung und der Handel von Bedeutung. Außerdem versuchten sich die Hardegger über mehrere Jahrhunderte hinweg in der Erzeugung von Schießpulver. Wobei die Pulverstampf im Lauf der Zeit mehrmals in die Luft flog.

Ebenso bedeutsam war die Perlmuttknopf-Drechslerei. Die Muscheln aus der Thaya waren bald erschöpft, daher wurden Muscheln aus der March und später auch importierte Meeresmuscheln verarbeitet. Die Produktion billiger Kunststoffknöpfe bedeutete in den 70er Jahren das Ende für das florierende Perlmutt-Handwerk. Nur ein Betrieb in Felling blieb bis heute bestehen. Bei der Permuttdrechslerei Mattejka in Felling erlebt man bei Schauführungen, wie viele Arbeitsschritte erforderlich sind, bis aus einer Muschel ein Knopf entsteht. Im Schauraum und Shop kann man Knöpfe und hochwertige Schmuckstücke erwerben.
 

Bootspartie auf der Thaya
Bootspartie auf der Thaya
Bootspartie auf der Thaya

Sommergäste


Am Ende des 19. Jahrhunderts hielt der Fremdenverkehr Einzug. Hardegg wurde zum Sommerfrischeort (siehe Sommerfrische). Die Urlauber schätzten die Beschaulichkeit und das angenehme Klima, vergnügten sich beim Baden im Fluss und entwickelten ein umfangreiches Kulturprogramm. 1929 gab es in Hardegg insgesamt 500 Gästebetten! Ein Einschnitt war 1933 die Errichtung des Kraftwerks Vranov. Seitdem wird aus dem Speicherkraftwerk Tiefenwasser abgelassen, die Wassertemperatur sank auf durchschnittlich 10 Grad Celsius im Sommer. Mit dem Baden war es vorbei. Der Zweite Weltkrieg brachte den Fremdenverkehr fast gänzlich zum Erliegen.

Nach dem Krieg wurde Hardegg zur Stadt "am Ende der Welt". Die Grenzbrücke über die Thaya wurde gesperrt, die Holzbretter entfernt. Nur die blanken Eisentraversen führten hinüber ins Nachbarland. Auf tschechischer Seite patrouillierten bewaffnete Soldaten. Schwammerlsucher, die irrtümlich die Staatsgrenze überschritten, wurden verhaftet und kamen erst einige Tage später wieder frei.
 

Am Ende der freien Welt

Hardegg erlebte am Rande des Eisernen Vorhanges einen wirtschaftlichen Abstieg. Weil Arbeitsplätze fehlten, zog es die jüngeren Leute in die Stadt, die älteren blieben und boten nach wie vor Privatzimmer an, vor allem das Fischen in der Thaya war für Urlaubsgäste attraktiv.

Man kann sich vorstellen, wie groß die Freude war, als die Brücke 1990 wieder geöffnet wurde. Seitdem hat der Fremdenverkehr an Bedeutung zugenommen. Durch die Landesausstellung im Barockschloss Ruegers, Riegersburg im Jahr 1993, die von 160.000 Personen besucht wurde, wurde die Region in touristischer Hinsicht wach geküsst.

Die wichtigste Initiative ist jedoch die Errichtung des Nationalparks Thayatal. Die Voraussetzungen waren ideal. Aufgrund der Grenzlage wurden im Thayatal bei Hardegg keine größeren Infrastruktur-Projekte wie z. B. Straßenbauten durchgeführt. Die Eingriffe in die Natur blieben auf ein Mindestmaß beschränkt. Naturnahe Wälder blieben bestehen, sensible Tierarten wie Schwarzstorch, Fischotter und Uhu fanden einen idealen Lebensraum.

Die Stadtgemeinde Hardegg profitiert vom Schutz der Natur. Ein Nationalpark dient neben dem Naturschutz auch der Erholung und Erbauung der Besucher. Naturbegeisterte Besucher bringen so neue Perspektiven in die alte Stadt an der Thaya.