Nationalpark Thayatal

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Österreich

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Renaturierung Wald


Natur | Naturraummanagement
 

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Wildnis im Nationalparkwald
Wildnis im Nationalparkwald - Baum mit Pilzen
Wildnis im Nationalparkwald

Artenreichtum im Nationalparkwald



Glatte Rotbuchenrinde, knorrige Eichen und weiße Birken, Wildschweinspuren und im Wind schwingende Kiefern sind nur ein Bruchteil der Eindrücke die man im Nationalpark findet. Der Nationalpark Thayatal ist ein Waldnationalpark. 90% der Fläche sind mit Wald bedeckt. Im westlichen, vom kontinental kühlen Klima beeinflussten Teil dominieren Buchenwaldbestände. Neben der Rotbuche sind auch Bergahorn, und seltene Baumarten wie Eibe und Bergulme zu sehen. Die Bergulme, die wieder vermehrt anzutreffen ist, wird jedoch vom Ulmensplintkäfer stark bedroht. In der Krautschicht wachsen Pflanzen, wie Türkenbundlilie, Seidelbast, Sauerklee, Zwiebelzahnwurz und als Besonderheit das Weiße Waldvögelein.
 

Karte Naturnähe Stand 2000
Karte Naturnähe Stand 2000
Karte Naturnähe Stand 2000
Im östlichen durch das pannonische Klima beeinflussten Teil sind auf den durch Sonneneinstrahlung trockenen und warmen Südhängen Eichen- und Hainbuchenwälder zu finden. Typische Vertreter des trockenen Laubwaldes sind Purpurblauer Steinsame, Pimpernuss, Warziger Spindelstrauch, Diptam und Muschelblümchen. In den alten umgestürzten Eichenstämmen wächst die Larve des Hirschkäfers heran, und in den ausgedehnten Eichenwaldbeständen des tschechischen Nationalparks geht der Steppeniltis auf Jagd. Am tschechischen Sobes wachsen sieben verschiedene Eichenarten, deren Vorkommen im Nationalpark, aber auch in Tschechien einzigartig sind.
 

Karte Naturnähe Stand 2005
Karte Naturnähe Stand 2005
Karte Naturnähe Stand 2005
Topographie, Sonneneinstrahlung und Untergrundgestein sind Faktoren der ökologischen Vielfalt im Thayatal. Eine Besonderheit stellen die so genannten Hangschuttwälder dar. Vor allem die Linde, aber auch Tiefwurzler wie Berg- und Spitzahorn lieben diese Geröllhalden und bilden mit Haselnuss und Stachelbeere eine besondere Waldgesellschaft.

In den Jahren 1999 und 2000 wurde der Nationalparkwald auf österreichischer Seite erhoben. Die Datenauswertung der Erhebung zeigte, dass rund 4/5 der Waldflächen weitgehend naturnahe Bestände aufweisen. Etwa 1/5 der Waldfläche ist mit nicht heimischen bzw. nicht standortgerechten Baumarten bestockt. In diesen Beständen wurden durch intensive forstliche Nutzung die ursprünglichen Laubholzmischbestände in monotone Nadelholzbestände umgewandelt. Im tschechischen Teil des Nationalparks ist der Anteil der nicht heimischen Bestände etwas höher.
 

Fichtendickungen vor der Umwandlung
Fichtendickungen vor der Umwandlung
Fichtendickungen vor der Umwandlung
Insgesamt gibt es 16 verschiedene Typen der potentiellen Waldgesellschaften im Nationalpark.

Im Wald herrscht eine perfekte Kreislaufwirtschaft von Tier- und Pflanzenwelt. Der Mensch bedenkt oft nicht welch weitreichenden und teils katastrophale Folgen sein Tun und Handeln in der sensiblen Ökologie des Waldes auslösen kann.


Potentiell natürliche Wald-Vegetation Kurzversion [PDF]
 

manuelle Umwandlung mit Motorsäge
manuelle Umwandlung mit Motorsäge
manuelle Umwandlung mit Motorsäge

Waldumwandlung



Der Nationalpark Thayatal hat sich die Umwandlung der nicht standortgerechten Nadelholzbestände zum Ziel gesetzt. Die Umwandlung erfolgt im Einklang mit der Natur.
Äste, Baumkronen und wirtschaftlich nicht verwertbare Holzmasse werden im Bestand belassen, um damit den Totholzanteil zu erhöhen. Es werden keine Bäume gepflanzt, da sich der Nationalparkwald von selbst ausreichend verjüngt.

Nadelbäume spielen im Nationalparkwald eine untergeordnete Rolle. Nur Weißkiefer und Wachholder auf Felsstandorten sowie Weißtanne und Eibe auf besseren Bonitäten sind autochthon. Die Nadelholzarten sind dem Laubholz beigemischt und bilden keine natürlichen Nadelholzreinbestände. Lediglich die Weißtanne wäre in der Lage größere Gebiete zu bestocken bzw. mit der Rotbuche flächendeckende Mischwälder zu gründen.
 

schon bald stellt sich Laubholzverjüngung ein
Laubholzverjüngung
schon bald stellt sich Laubholzverjüngung ein
Hohe Wildbestände, forstwirtschaftliches Desinteresse und das Tannensterben in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts sind die Gründe warum die Tanne aus unseren Wäldern fast gänzlich verschwunden ist. Selbst in den naturnahen Thayawäldern gibt es nur noch wenige alte Tannenexemplare aber keine Jungbäume. Daher kann man von einer kleinen Sensation sprechen als vor zwei Jahren auf einigen Umwandlungsflächen junge Tannen entdeckt wurden. Die Rückkehr der Tanne ist ein eindrucksvoller Beweis für das Wald- und Wildmanagement der letzten Jahre.
 

standortfremde Fichtenbestände mit Borkenkäferbefall
standortfremde Fichtenbestände mit Borkenkäferbefall
standortfremde Fichtenbestände mit Borkenkäferbefall
In alten Beständen werden Bestandesumwandlungen durchgeführt, diese können in Form von Einzelstammnutzung aber auch im Zuge einer Räumung durchgeführt werden. Fremdländische Baumarten wie Robinie werden geringelt bzw. Douglasie zur Gänze entnommen.

Vom Borkenkäfer befallene Fichtenbestände werden sofort waldbaulich behandelt. In jungen Beständen z. B. Fichtendickung sind mehrere Pflegeeingriffe in Form von Läuterungen und starken Durchforstungen notwendig um Initialzündungen zu naturnahen Beständen zu schaffen.


Borkenkäfermonitoring [PDF]
 

Holzbringung mittels Forsttraktor und Rückewagen
Holzbringung mittels Forsttraktor und Rückewagen
Holzbringung mittels Forsttraktor und Rückewagen

Schonende Bearbeitung



Im Nationalpark wird so schonend wie möglich aber auch kosteneffizient umgewandelt. Ein Großteil der Schlägerungen wird traditionell mit der Motorsäge durchgeführt. In Fichtendickungen werden Durchforstungs-Harvester zur Einleitung von Laubholzverjüngung eingesetzt. Die Rückung wird mit speziellen Forsttraktoren und Kranwägen durchgeführt. Vereinzelt werden auch Pferde zur Holzbringung eingesetzt. Dies wäre die bevorzugte Methode der Holzbringung im Nationalpark.
 

Pferderückung
Nationalparkmitarbeiter bei der Holzbringung mit zwei Pferden
Pferderückung
In Tschechien wird großteils traditionell mit eigenen Personal und Pferden gearbeitet. Auf großen Flächen sind die Renaturierungsmaßnahmen bereits abgeschlossen und der Wald wird sich selbst überlassen.

Die Renaturierungsarbeiten sollen 2014 abgeschlossen sein. Jährlich werden auf ca. 25 ha Umwandlungsmaßnahmen durchgeführt. Nach erfolgreicher Renaturierung des Nationalparkwaldes ist der Weg frei für Wildnis.