Nationalpark Thayatal

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30 Jahre Grenzöffnung in Hardegg


Nationalpark Thayatal | Aktuelles


Zum ersten Mal über die Brücke
Die Hardegger Zeitzeugin Christine Kippes berichtet von der spontanen Grenzöffnung bei der Thayabrücke am 26. Dezember 1989


Als Hardeggerin war immer eines klar, es gibt ein "Hier" und ein "Drüben". Das "Drüben" war wie ein Blick auf eine Postkarte - ein so nahes fremdes Land, das nie betreten werden sollte. Hie und da gab es was zu beobachten: Fischer, die bis zum Bauch im Wasser der Thaya stehend fischten, oder tschechische Grenzsoldaten bei ihrem Weg entlang des gegenüberliegenden Thayaufers. Diese bewachten das Sperrgebiet auf tschechischer Seite und sollten verhindern, dass Bürger aus der Tschechoslowakei aus ihrem Land in den Westen fliehen konnten!

Zu den Weihnachtsfeiertagen 1989 beobachteten wir von unserem Haus aus - wir wohnten damals im Mühlweg etwas oberhalb der Thayabrücke - dass "drüben" eine Menschenmenge stand, Fahnen schwingend! Einige aus der Gruppe begannen über die Brücke zu klettern. Die Brücke bestand damals nur aus der Eisenkonstruktion, die Holzbohlen am Boden fehlten.

Wir liefen hinunter zur Brücke. Die ersten Tschechen hatten es bereits geschafft, österreichischen Boden zu betreten. Freudestrahlend umarmten sie uns, der mitgebrachte Slibowitz wurde herumgereicht - ein Freudentaumel allerseits!!!
Von dieser Jubelstimmung angesteckt, entstand in uns der Drang, auch einmal über die Brücke zu klettern. Aufgeregt tastete ich mich mit meinem Bruder Schritt für Schritt den Brückenstreben entlang, vorsichtig kletterten wir immer weiter und endlich hatten wir festen Boden unter unseren Füßen - wir standen mit beiden Beinen in der ČSSR! Der Blick zurück war einfach umwerfend. Noch nie konnten wir von der anderen Seite auf die Burg und die Stadt Hardegg schauen - unbeschreiblich ergreifend!

Erstmals konnten wir unsere Nachbarn in die Arme schließen. Die starre Grenze, die seit jeher als unüberwindbar galt, war gefallen. Unser Leben in Hardegg hatte eine neue Perspektive bekommen.

Bilder von Horst Weitschacher