Nationalpark Thayatal

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Österreichische Wildkatzenforscher treffen sich im Nationalpark Thayatal


Nationalpark Thayatal | Aktuelles


Die Europäische Wildkatze ist eines der seltensten Säugetiere Österreichs. Die Rote Liste führt sie als regional ausgestorben bzw. verschollen, seit zehn Jahren wird in Österreich nach ihr gesucht. Zum Jubiläum gab es nun eine Fachtagung.

Fachtagung aus Anlass 10 Jahre Koordinations- und Meldestelle sowie Plattform Wildkatze



Seit zehn Jahren wird in Österreich nach der Europäischen Wildkatze gesucht. Zum Jubiläum gab es nun eine Fachtagung der "Plattform Wildkatze", bei der die aktuelle Situation der Wildkatze in Österreich besprochen wurde. Anregungen kamen von Expertinnen aus Deutschland und der Schweiz. Als Ergebnis der Fachtagung präsentiert die "Plattform Wildkatze" acht Punkte, deren Umsetzung für eine dauerhafte Rückkehr der Wildkatze nach Österreich unumgänglich ist.

Die Wildkatze ist eines der seltensten Säugetiere Österreichs. Die Rote Liste führt sie als regional ausgestorben bzw. verschollen. Dennoch gab es seit der Gründung der Wildkatzenmeldestelle immerhin 21 sichere Nachweise. Die meisten davon kommen aus dem nördlichen (Nationalpark Thayatal) und südlichen Waldviertel (Wachau) sowie aus Kärnten. Was schmerzlich fehlt, sind Wildkatzen-Nachweise zur Fortpflanzung hierzulande. Denn nur damit ist es möglich, den Gefährdungsstatus zu ändern und nationale Schutzmaßnahmen zu erwirken.

Auch Expertinnen aus Deutschland und der Schweiz brachten sich bei der kürzlich stattgefundenen Fachtagung im Nationalpark Thayatal mit ihren Erfahrungen ein, um der Wildkatze auch in Österreich "unter die Pfoten zu greifen". So führte in Deutschland ein umfangreiches Bürgerbeteiligungsprojekt mit zahlreichen Ehrenamtlichen zu sehr vielen neuen Wildkatzennachweisen. In der Schweiz zeigt sich durch die Besenderung von Wildkatzen gerade, dass diese auch im deckungsreichen Offenland vorkommen, nicht nur im Wald - möglicherweise sind Wildkatzen anpassungsfähiger als bisher angenommen.

Was es mit der Hybridisierung auf sich hat, berichtete eine weitere Schweizer Expertin. Paaren sich Wildkatzen zu oft mit Hauskatzen, könnte das möglicherweise zum Verschwinden der Wildkatzen beitragen.

Experten, Naturschützer und Jäger erörterten auch das Spannungsfeld zwischen Jagd und Wildkatze, notwendige Schutzmaßnahmen sowie die Beteiligung Freiwilliger bei der Suche nach der seltenen Wildkatze. Ein Hauptaugenmerk lag auf der Zerschneidung ihrer Lebensräume, die im schlimmsten Fall für die Wildkatzen tödlich endet. Aufgrund der kleinen und wahrscheinlich isolierten österreichischen Vorkommen ist jedes Individuum wertvoll für die Überlebenschancen der Population.

Fazit der Fachtagung ist, dass der Wildkatze in ihrer Wiederausbreitung geholfen werden muss. Dazu braucht es
- viel mehr Wildkatzennachweise, besonders Nachweise für Fortpflanzung. Eine Möglichkeit dazu ist die Suche mit Freiwilligen.
- mehr finanzielle Mittel zur Erforschung der Wildkatze (z. B. Verbreitung in den Bundesländern, Wanderrouten etc.)
- die Absicherung von Lebensraum-Korridoren durch die Raumplanung
- wissenschaftliche Erhebung bestehender und möglicher Wildtierkorridore
- Wiederherstellung zerschnittener Lebensraum-Korridore, z. B. durch Grünbrücken
- länderübergreifende Koordinierung dieses Korridornetzes
- Bewusstseinsbildung innerhalb der Jägerschaft über das Vorkommen und die Erkennungsmerkmale der Wildkatze sowie der Bedeutung dieser Tierart für die Biodiversität in Österreich
- Sensibilisierung der Bevölkerung über die unerwünschte Haus-und Wildkatzenvermischung: Freilaufende Hauskatzen müssen lt. Tierschutzgesetz kastriert werden.

Im Nationalpark Thayatal werden im Rahmen des Projektes Connecting Nature aktuell umfangreiche Forschungsaktivitäten durchgeführt, die einen wichtigen Beitrag zur Erfüllung dieser offenen Punkte leisten:
- Im Waldviertel, Weinviertel und Tschechien untersuchen Experten der Universität für Bodenkultur und der Wildbiologe Horst Leitner die Lebensräume hinsichtlich Migrationsmöglichkeiten. Durch die Analyse der Waldkorridore werden die wichtigsten Wanderrouten für Wildkatzen und andere waldgebundene Arten ermittelt und vorhandene Engstellen ausgewiesen.
- Im Jänner startet im Wald- und Weinviertel ein Freiwilligenprojekt, bei dem in möglichen Kernlebensräumen bzw. in Korridoren die Präsenz der Wildkatze überprüft wird.
- In Zusammenarbeit mit Zoos und anderen Wildkatzen-Haltern wird ermittelt, ob es neben dem Baldrian noch weitere ebenso attraktive Lockstoffe für Wildkatzen gibt (getestet wurden z. B. Bibergeil, Moschus Öl, Rizinus-Öl, Vanille-Parfüm). Unsere Ergebnisse zeigen, dass Baldrian tatsächlich die erste Wahl der Duftstoffe für die Wildkatzen ist.
- Weiters wird überprüft, ob nicht auch eine Bestandesstützung dazu beitragen kann, der Wildkatze in Österreich zur Rückkehr zu verhelfen. Hier gibt es seitens der IUCN strenge Kriterien, die zu prüfen sind. Bevor es dazu eine Entscheidung gibt, müssen auch die zeitliche Dimension und die Einbindung möglicher Partner geklärt werden.

2009 wurden auf Initiative des Naturschutzbundes und der Österreichischen Bundesforste AG sowohl die Plattform Wildkatze als auch die Koordinations- und Meldestelle Wildkatze installiert. Die Plattform ist eine Kooperation aus den Trägerorganisationen Nationalpark Thayatal, Österreichische Bundesforste AG, Naturschutzbund Österreich, Naturhistorisches Museum Wien, JAGD ÖSTERREICH, Alpenzoo Innsbruck-Tirol und weiteren Experten. Dieses Netzwerk fungiert als beratendes Gremium für die Koordinationsstelle des Naturschutzbundes, die Hinweise auf Wildkatzen sammelt und dokumentiert sowie Bestandserhebungen koordiniert und betreut und vieles andere mehr.

Der Nationalpark Thayatal konnte erstmals 2007 das Vorkommen der Wildkatze im Thayatal nachweisen. Dazu wurden mit Baldrian präparierte Lockstöcke eingesetzt, die von den Tieren gezielt aufgesucht werden. Die Katzen reiben sich an den rauen Holzpflöcken und hinterlassen einige Haare, die von den Wildkatzenforschern regelmäßig gesammelt und genetisch untersucht werden. Von den 21 gesicherten österreichischen Nachweisen stammen 12 aus dem Nationalpark Thayatal. Dem Nationalpark Thayatal ist es gelungen, die Wildkatze in Österreich bekannt und populär zu machen. Nicht zuletzt haben die beiden Zoo-Wildkatzen

Frieda und Carlo

als Bewohner der größten Wildkatzenanlage Österreichs das Herz der Besucher erobert.