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Neues INTERREG Projekt "Connecting Nature"


Nationalpark Thayatal | Aktuelles


Natur verbindet Niederösterreich und Tschechien
Neues INTERREG Projekt "Connecting Nature" fördert die Vernetzung wertvoller Lebensräume und schützt die Artenvielfalt im tschechisch-österreichischen Grenzgebiet


Hardegg (20. Dezember 2017) Große Freude bei den elf österreichisch-tschechischen Projektpartnern aus den Bereichen Naturschutz, Regionalplanung und Verwaltung bei einem ersten Treffen im Thayatal. Der Lenkungsausschuss des Programms INTERREG hat vor kurzem seine Entscheidung über die Förderung zukünftiger Projekte bekannt gegeben. Mit dabei ist das gemeinsame Projekt "Connecting Nature AT-CZ", im Bereich Naturschutz wird nun die Zusammenarbeit intensiviert!

"Die Kooperation mit unserem nördlichen Nachbarn Tschechien hat in Niederösterreich in vielen Bereichen einen hohen Stellenwert. Umso mehr begrüße ich dieses gemeinsame Projekt zur Lebensraumvernetzung und zum Schutz der seltenen Wildkatze, " erklärt LH-Stv. Dr. Stephan Pernkopf.

Die Entwicklung einer europäischen Strategie für eine Grüne Infrastruktur bildet einen wesentlichen Bestandteil der neuen EU-Biodiversitätspolitik. "Connecting Nature" wird hier mittels großräumiger Vernetzung über die Staatsgrenzen hinweg einen Beitrag leisten. Ziel ist die Erhaltung von Wildtier-Wanderkorridoren, welche Alpen, Böhmische Masse und die Karpaten verbinden. In zwei Auswahlgebieten sind bereits konkrete Umsetzungen geplant. Flankierend dazu erfolgen länderübergreifende Maßnahmen und Abstimmungen zur Schutzgebietsbetreuung und zum Moorschutz. Für die Realisierung des Projektes in Niederösterreich sind die Naturschutzabteilung, die NÖ.Regional.GmbH, der Naturschutzbund Niederösterreich, die Universität für Bodenkultur (BOKU), die Österreichischen Bundesforste und der Nationalpark Thayatal verantwortlich. Letzterer übt die Funktion des Leadpartners aus.

Der Kreis Südmähren unterstützt dieses Projekt. "Neben den Kreisen Vysočina und Südböhmen sowie der Agentur für Naturschutz der Tschechischen Republik und dem Botanischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften ist der Národní park Podyjí einer der fünf tschechischen Partner in diesem Projekt. Gemeinsam mit dem Nationalpark Thayatal schützt der Národní park Podyjí das landschaftlich herausragende Flusstal der Thaya. Das aktuelle Projekt bildet eine wichtige Grundlagen für die künftigen Managementpläne der beiden Nationalparks!" so RNDr. Miroslav Kubásek, Ph.D., Kreisrat für Umwelt des Kreises Südmähren.

Herr Pavel Hroch, Kreishauptfrau-Stellvertreter des Kreises Südböhmen, freut sich über den Informations- und Erfahrungsaustausch in diesem Projekt: "Alle Partner bringen umfangreiches Vorwissen aus den Bereichen Naturschutz, Regionalplanung und Verwaltung in diese Zusammenarbeit ein. Die Landschaften Südböhmens und des nördlichen Waldviertels sind ein gemeinsamer Landschaftsraum und beherbergen zahlreiche schützenswerte Moore. Besonders wichtig ist uns daher eine umfangreiche Abstimmung und eine gemeinsame Umsetzung von Natura 2000 Schutzbestimmungen bei den Moor-Lebensräumen!"

Im Rahmen des Projektes wird es mehrere Workshops für Behörden und Gemeinden zum Thema Lebensraumvernetzung in der Regionalplanung geben. Die Länder und Kreise werden sich außerdem regelmäßig treffen und über praktische Themen des Schutzgebietsmanagements austauschen, diese Treffen werden auch nach dem Projektende 2020 einmal jährlich weitergeführt.
"Im Kreis Vysočina haben wir bereits fünfzehn kritische Stellen an Wildtier-Wanderkorridoren erhoben. Wir erwarten uns von diesem Projekt einen praktischen Vorschlag zur Verbesserung der Durchgängigkeit an jeder einzelnen Lücke der Vernetzungsstruktur. Die Migrationskorridore sollen auch in die Raumplanungsgrundlagen aufgenommen werden!" so Ing. Bc. Martin Hyský, Kreisrat für Forst- und Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Umwelt des Kreises Vysočina.

Die seltene Wildkatze ist in ihrem Vorkommen auf Waldlebensräume beschränkt. Sie meidet offene Agrargebiete und ist daher bei ihren Wanderungen auf ein Netz von Waldkorridoren angewiesen. "Wir möchten daher die Wildkatze zur Botschafterin unseres Projektes Connecting Nature machen. Am Beispiel der Wildkatze zeigt sich, wie wichtig es ist, dass große Waldgebiete miteinander verbunden sind!" so der Projektleiter Christian Übl, Direktor des Nationalparks Thayatal.

Projektübersicht:

Projektitel: Crossborder Habitat Network and Management - Connecting Nature AT-CZ

Laufzeit: 1. Oktober 2017 bis 31. Dezember 2020

Programm Ziel: Das übergeordnete Projektziel ist, im Sinne der EU-Strategie zur Grünen Infrastruktur, die großräumige Lebensraumvernetzung zwischen NÖ Kalkalpen, Böhmerwald, Böhmisch-Mährischen-Höhen u. Karpaten zu sichern, über die Grenze zu verknüpfen und die Kernlebensräume durch abgestimmte Managementmaßnahmen zu erhalten. Damit sollen Natura 2000 Schutzziele umgesetzt und die Biodiversität (z. B. Wildkatze), wichtige Ökosystemdienstleistungen der Landschaft, sowie attraktiver Erholungsraum für die Bevölkerung gefördert werden.

Partner: Österreich (sechs): Nationalpark Thayatal GmbH (Leadpartner), Amt der NÖ Landesregierung, Abteilung Naturschutz, , Österreichische Bundesforste AG, Österreichischer Naturschutzbund Landesgruppe Niederösterreich, Universität für Bodenkultur, Wien, NÖ.Regional.GmbH (Projektorganisation)
Tschechien (fünf): Agentur für Naturschutz der Tschechischen Republik, Institut für Botanik der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, Kreis Südböhmen, Kreis Vysočina, Národní park Podyjí

Förderprogramm: Interreg Österreich Tschechische Republik Umwelt und Ressourcen
2b Erhaltung und Wiederherstellung der Biodiversität und des Bodens und Förderung von Ökosystemdienstleistungen, einschließlich über Natura 2000, und grüne Infrastruktur

Projektbudget gesamt: € 2 171.069,09

Detaillierte Zielsetzungen Projekt Connecting Nature AT-CZ:

1. betrachtet Maßnahmen im Rahmen großräumiger Vernetzung über Staatsgrenzen hinweg u. trägt damit zur Verbesserung der überregionalen Grünen Infrastruktur bei. Das Projekt schafft die Grundlage für Grüne Infrastruktur und Wildtierkorridore in 4 Kreisen bzw. Bundesländern auf ca. 10.000 km2 Fläche. Lebensraumvernetzung endet nicht an Staatsgrenzen. In 2 Beispielgebieten sollen bereits Maßnahmen dazu umgesetzt werden. Die Entwicklung einer europäischen Strategie für eine Grüne Infrastruktur bildet einen wesentlichen Bestandteil der neuen EU-Biodiversitätspolitik nach 2010. Grüne Infrastruktur vernetzt Schutzgebiete und unterstützt wertvolle Ökosystemleistungen.
2. trägt somit zur grenzüberschreitenden Sicherung großer Wildtierkorridore bei, welche Alpen, Böhm. Masse u. Karpaten verbinden (Hauptkorridor NÖ-Kalkalpen-CZ, u.a.)
3. leistet einen wesentlich Beitrag zur Erhaltung und zum Schutz von Natura-2000 Lebensräumen und Arten.
4. vereint elf Partner beider Länder aus den Bereichen der Landes- bzw. Kreisverwaltungen, Universitäten, Schutzgebietsverwaltungen und NGOs und fördert dadurch auf allen wesentlichen Ebenen den grenzüberschreitenden Austausch und die tschechisch-österreichische Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Natur- und Umweltschutzes.
5. sichert durch Moorschutzmaßnahmen Lebensräume für rund 50 hochspezialisierte, gefährdete Hochmoorarten (Sonnentau, Torfmoose, Schmuckalgen, usw.) und erhöht damit deren Überlebenschancen. Moore sind typisch im gemeinsamen Landschaftsraum Waldviertel und Südböhmen.
6. bewirkt die Reduktion von klimarelevanten Gasen durch das Renaturieren von degradierten Mooren: 1 Hektar trockengefallenes Hochmoor gibt klimarelevante Gase mit 9,6 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr ab, regenerierte, naturnahe Moore dagegen nur 0,1 Tonnen.
7. fördert die Erhaltung von 1290 Pflanzenarten in den Nationalparks Thayatal und Podyjí. Nahezu ein Drittel aller Arten Österreichs und Tschechiens kann so geschützt werden. Das ist eine wichtige Biodiversitäts-Ressource für den Klimawandel. Darunter sind auch Arten, die es nur im grenzüberschreitenden Nationalpark gibt.
8. ermöglicht die Rückkehr der in Österreich und Tschechien ehemals ausgestorbenen oder verschollenen Wildkatze durch Erhebungen und die Ausarbeitung eines Bestands-stützungs¬konzepts. Aufgrund ihrer Bindung an Waldlebensräume gilt sie als "Botschafterin der Waldvernetzung". Dadurch kann das komplexe Thema der Lebensraumvernetzung anschaulich und öffentlichkeitswirksam dargestellt werden.
9. informiert zuständige Behörden und betroffene Gemeinden im Rahmen von insgesamt neun Workshops persönlich über die Bedeutung der Lebensraumvernetzung. Dazu werden konkrete Lösungsvorschläge präsentiert. Weitere Informationsmaßnahmen wie z.B. Vorträge und Exkursionen binden gezielt Stakeholder (Besucher, Grundeigentümer, lokale Bevölkerung) mit ein.
10. ermöglicht sechs gemeinsame Treffen zum grenzüberschreitenden Austausch der Schutzgebietsmanagements der Länder und Kreise über wichtige praktische Themen, nach dem Projekt wird je ein Treffen pro Jahr weiterhin erfolgen.

Weitere Fotos: https://plus.google.com/u/0/b/115633439934602584328/photos/115633439934602584328/album/6501528716138742657?authkey=CKrttLHPpYnV1gE

Bildrechte: NP Thayatal, Ch.Stiepani, M.Graf, P.Lazarek

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